Lucia Lacarra, Marlon Dino in «Tschaikowsky»; Foto: Bettina Stöß

Dortmund: Rachmaninow/Tschaikowsky

Dortmund: Xin Peng Wang «Rachmaninow/Tschaikowsky»

Tanz - Logo

Am Ende stirbt sie. Nein, er. Beide? Es geht ziemlich romeo-und-julia-mäßig hin und her in Xin Peng Wangs Choreografie zu Tschaikowskys 6. Sinfonie. Deren Berühmtheit liegt bekanntlich auch darin, dass der Komponist kurz nach ihrer Uraufführung unter mysteriösen Umständen verschied – ahnte das Genie den nahenden Schnitter? In die sogenannte «Pathétique» ist unüberhörbar ein Sterben hineinkomponiert, und so verhüllt am Ende wahrhaft «todschicker» Trauerflor von Kostümdesigner Bernd Skodzig das exquisite Dortmunder Ensemble.

Von dem man an diesem Abend ohnehin nicht genug zu sehen kriegt, weil es entweder komplett verkleidet oder nur dekoratives Beiwerk für zwei neue Ruhrpott-Stars ist: Lucia Lacarra und Marlon Dino, Ex-Solisten des Bayerischen Staatsballetts.

Xin Peng Wang ist derzeit offenbar ganz beseelt davon, die beiden Top-Player der Bayern für die Dortmunder verpflichtet zu haben. Schon in seinem letzten großen Handlungsballett «Faust II» durfte das Traumpaar Lacarra-Dino seine kühle Grandezza auf die Bühne zirkeln. Jetzt gehört der «Tschaikowsky»-Teil nahezu ganz dem Titan und der Nymphe. Dabei wäre ihr tragik-durchschauertes Slow-Motion-Ballett völlig anachronistisch, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2018
Rubrik: Kalender, Seite 39
von Nicole Strecker

Weitere Beiträge
The Wind

In Großbritannien gibt es plötzlich eine kleine, wichtige Diskussion darüber, ob die Kunstform Ballett der Gleichberechtigung nicht schwer hinterherläuft. Anlass sind – neue! – Stücke des Royal Ballet, in denen Frauen verniedlicht werden oder ihnen Gewalt angetan wird. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war «The Wind» von Arthur Pita, in dem die...

Beruf und Berufung - Wieso Tänzer werden?

Warum wollen Kinder Ballettstars werden? Wollen sie es überhaupt? Sind es nicht vielmehr die Erwartungen der Eltern, die sie in den Mahlstrom der Institution werfen, die sowohl Kinderseelen als auch adoleszente Körper einer gnadenlosen Auslese unterwirft? Der Soziologe Joël Laillier, der an der Universität Toulouse III – Paul Sabatier forscht, will mit seiner...

CD des Monats 1/18

Geplant hat er vieles. Ein «Aphrodite»-Ballett etwa, «Amphion», «Daphnis et Chloé», «Masques et Bergamasques», und unter dem vielversprechenden Titel «Crimen Amoris» ein «Poème chanté et dansé d’après Verlaine». Wirklich zu Ende komponiert hat Claude Debussy nur «Jeux», und das im Auftrag der Ballets russes: eine choreografische Ménage à trois, beunruhigend in...