Dortmund: «Livebox: Persona»
Hier sind Tänzer, die sich gebärden. Einer knickt kunstvoll in den Knien ein, tut so, als ob er falle. Er fällt, aber es ist kein Fallen, nur eine gestische Andeutung davon. Der Tänzer Sudeep Kumar Puthiyaparambath zeigt, wie er fallen würde. Er tanzt die Möglichkeitsform, als wäre er ein Model, das zu fallen habe.
Die Pose bleibt jederzeit sichtbar, auch bei seinem Kollegen und den drei Frauen, die das weiße Bühnengeviert bedeutungsvoll betreten, dann bedeutsam auf dem Boden lagern und ins Publikum schauen, dorthin, wo sich vermutlich die Bedeutung ihres Tuns erst noch herstellen soll.
Ben J. Riepe, Schüler seines Düsseldorfer Meisters VA Wölfl, bezieht jede seiner im Berliner Ballhaus Ost exekutierten Gesten zurück auf ein stehendes Bild. Die Pose ist das Ziel aller Bewegung. Dazu tragen die Tänzer Masken, die an einen Versehrten des Ersten Weltkriegs denken lassen, an einen Vogel oder an einen Hund (aus dem Lautsprecher ist deutlich Bellen zu vernehmen) oder an ein Alien (die Lautsprecher singen: «Hallelujah»). Während die Akteure ins Publikum schauen, und wir so tun, als würden wir Tiere, Aliens und Versehrte sehen, wird ihnen – vom Choreografen persönlich – je eine Kerze ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 40
von Arnd Wesemann
Ein einziges Mal darf sie es tun. Nicht nur im Takt wippen, sondern auch den Raum erobern, ihn fast ganz durchmessen, mit wiegenden Schritten, mit beinahe ausgelassenen Drehungen, und das ohne Unterstützung der sehnigen, im West End oder in Manhattan gecasteten Kollegen. Cecilia Bartoli tanzt allein – und ist plötzlich ganz bei sich, wie selbstvergessen. Gerade...
Auf der Bühne hat sich «Die Seejungfrau» von Alexander Zemlinsky noch nicht behauptet; das haben die Rechteinhaber verhindert. Inzwischen ist die Schutzfrist abgelaufen, und Mei Hong Lin ist deshalb eine der ers-ten, die in der kommenden Spielzeit am Landestheater Linz die «Fantasie in drei Sätzen» auf ihre Tanzbarkeit testet. Im Konzertsaal taucht «Den lille...
Thierry Malandain findet immer wieder Spaß daran, alte Stoffe neu aufzumischen und neu einzufärben. Nach dem durchschlagenden Erfolg seiner «Cendrillon» macht er sich nun an «Die Schöne und das Biest», eine Geschichte mit deutlichem Gänsehautfaktor. Dem wird Malandain mit seiner Truppe aus Biarritz gerecht.
Das Biest in dem von Jean Cocteau so unvergesslich...
