doris uhlich
Eines Tages betrat die Wiener Balletttänzerin Susanne Kirnbauer ein Fachgeschäft, um Spitzenschuhe zu erwerben. Die Verkäuferin sah sie erstaunt an: in Ihrem Alter? Kurz davor war die Choreografin Doris Uhlich in demselben Laden gewesen. Auch sie kaufte Spitzenschuhe, auch sie erntete einen ungläubigen Blick: mit Ihrer Statur?
Diese Anekdote ist mehr als fünf Jahre alt.
Sie entstand im Vorfeld der Performance «Spitze» (2008), in der die frühere Staatsopern-Solotänzerin Susanne Kirnbauer nach mehr als 20 Jahren wieder tanzte und die damals 30-jährige Doris Uhlich ihre ersten Schritte auf Spitze machte.
Lakonischer Blick aufs Ballett
Die junge und die alte Tänzerin, die Ballett-Anfängerin und die Ballerina, standen in «Spitze» zusammen auf der Bühne, gemeinsam mit Harald Baluch, einem aktiven Solotänzer. So lakonisch wie ironisch wurden dabei die strengen Codes des Balletts unter die Lupe genommen. Was etwa so aussah: Kirnbauer tritt in hochhackigen Stiefeletten auf, ehe sie später in die Spitzenschuhe schlüpft. Baluch referiert monoton die Stücktitel, Rollen und Vorstellungszahlen seiner Karriere. Am Ende tritt Uhlich mit ihm todesmutig zum Pas de deux an.
Als Kirnbauer und Baluch ...
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Tanz Mai 2013
Rubrik: menschen, Seite 33
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