Die Jungs aus der Ukraine
Das Royal Ballet hat zwei auf seiner Gehaltsliste stehen, die aus der Ukraine stammen. Einer ist der schöne Ivan Putrov, ein längst etablierter Tänzer mit einer ganzen Reihe wichtiger Rollen in seinem Portfolio. Der andere ist der kommende Star: Sergei Polunin, der auf den jüngsten Postern und Broschüren für die Kompanie mit einem perfekt ausgeführten Jeté vor dem Mont-Saint-Michel wirbt. Jeder Zentimeter ein klassischer Prinz mit perfekten Proportionen, fantastisch gestreckten Füßen und verträumtem Blick.
Gerade erst hat er den Solor in «La bayadère» getanzt, ist zum Ersten Solisten befördert worden und gewann soeben den «Critics’ Circle National Dance Award» als herausragender männlicher Darsteller. Schon 2006 erhielt er den «Prix de Lausanne» und den «Youth America Grand Prix», wurde dazu noch «Young British Dancer of the Year», bevor er zum Royal Ballet kam. Seine Laufbahn gleicht der einer kraftvollen Rakete.
So war ich einigermaßen überrascht, in diesem Musterknaben einen stillen, unerfahrenen, ja naiven jungen Mann kennenzulernen, der seine Stirn bis zu den Augen mit seinen Haaren versteckt. Er ist ein in jeder Hinsicht netter, charmanter Bursche, aber wirklich nicht der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
70 Jahre und kein bisschen Weise: Auch im neuesten Beispiel choreografischen Theaters setzt Johann Kresnik eine Nackte in die Torte. Ohne mit der Wimper zu zucken, streckt ein SS-Scherge eine Frau nieder, während andere mit der Kreissäge die Köpfe der Inhaftierten «rasieren». Ungerührt schminkt sich währenddessen Rudolf Höß, Lagerkommandant im Konzentrationslager...
Noch im Saal, direkt nach der Vorstellung, erklärt sich ein Kollege «unfähig, auch nur zwei Zeilen zusammenzureimen». Mein lieber Schwan! Der Herr muss den Tod mit aller Macht verdrängen. Wann sonst sieht man in 60 Minuten neun Menschen auf einer Tanzbühne sterben? Das gesamte Personal! Das kann man tragisch finden, pathetisch, schablonenhaft. Es hängt auch davon...
Immer ich. Überall ich. Alles ich. Jemand redet in der ersten Person singular wie ein Geständnis, eine «Selbstbezichtigung». Nichts davon ist persönlich oder zeugt vom wahren Leben. Es sind Stellvertretersätze. Das «Ich» könnte jeder sein, also auch «nicht ich». Das Sprache-Sein schiebt sich wie ein glitzernder Schleier vor das Bezeichnete. Dem Denken, Spielen,...
