Die Hoffnungsträger
heißt die einzig legitime Nachfolgerin von Valeska Gert. Vielleicht kennt sie Gert nicht, denn Freitas kommt von den Kapverdischen Inseln. Aber sie kennt den Karneval ihrer Heimat, und der ist absolut «gertissimo». Freitas inspiriert sich an seinen grotesken Grimassen, Gesten und Gliedern. Und vergrößert sie ins Unheimliche. In ihrem Solo «Guintche» verwandelt sie die Tradition dieser Masken und Trancen, indem sie, beide Beine fest auf den Boden gestemmt, unter unaufhörlichem Beckenkreisen ihren Oberkörper mutieren lässt. Ihr Gesicht ist verzerrt zum gellend stummen Schrei.
Man sieht in den Fratzen aus Erschrecken und Wahnsinn – ein ganzes Hexenritual im Stehtanz.
Freitas zelebriert ihre verrenkten Mienen und Begierden mit unglaublicher Kraft und Präzision. In ihrem Gruppenstück «De marfim e carne – as estátuas também sofrem» erschafft sie einen abstrus grausamen Todestanz aus Statuen, die Menschen werden und fühlen wollen. Die Kreaturen sind ebenso erschreckend wie anrührend. Manche erinnern an Figuren auf den Kapitellen romanischer Kirchen in Südeuropa, die den Teufel abschrecken und die Gläubigen einschüchtern sollen. Die frenetischen Tänze der Geknechteten, das Rätsel ihrer ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 161
von Renate Klett
Klassik, Moderne, Zeitgenossenschaft – in seinem Repertoire war alles vertreten. Zuletzt kam Pina Bauschs «Für die Kinder von gestern, heute und morgen» dazu, Krönung und Schwanengesang der Ära Ivan Liška
Noch zwei Vorstellungen von Pina Bauschs «Für die Kinder von gestern, heute und morgen» (tanz 5/16) waren es während der Opernfestspiele im Juli. Es ist die...
Der palästinensische Filmemacher Khaled Jarrar begleitet mit der Kamera eine Familie auf ihrer Flucht nach Deutschland. Als sie die Insel Lesbos erreicht und weiter aufs Festland will, scheitert Jarrar. Die laufende Kamera in der Hand, versucht der Künstler, mit an Bord der griechischen Fähre zu gelangen. Er zeigt seinen Pass, er zeigt sein eingeklebtes...
Seine Heimatstadt Tsingtao am Gelben Meer im äußersten Osten Chinas war einst deutsche Kolonie. Ihren energiegeladenen, tanzfreudigen Sohn Wei schickten die Eltern auf die Beijing Dance Academy, wo er eine solide siebenjährige Ausbildung erhielt: klassischen und modernen Tanz, internationale Folklore. Danach tanzte er sieben Jahre im National Ballet of China:...
