Die Hoffnungsträger
aus Montréal, eigentlich längst eine Veteranin unter den kanadischen Tänzerinnen und Choreografinnen, hat jüngst mit einem Solo-Auftritt in Catherine Gaudets «Pluton, Acte 1», einer Produktion der choreografischen Plattform «La 2e Porte à gauche», überrascht. Sie beginnt ihren Part mit einem Flüstern, das sich zum Brabbeln eines Kleinkindes und schließlich zu kehligem Stöhnen steigert.
Eindrucksvoll und rückhaltlos gestaltet sie die erwachende Wut und verzweifelte Leidenschaft eines Menschen, der in die surrealen Gefilde einer beginnenden Alzheimer-Demenz schlittert – einer schrecklichen Leere entgegen, in der sich schon die schlichte Begrüßung «Bonjour» zu einer gänzlich verinnerlichten Erlebniswelt auswächst.
Andere Äußerungen erlangen die Intensität einer flammenden Anklage. Dann wieder ruft sie sich in kürzesten Sätzen Erinnerungssplitter aus der eigenen Vergangenheit ins Gedächtnis: Kindheit in Québec, ihre frühe Liebe zu Hunden und Katzen. Mit quälenden Zuckungen im Gesicht und bedrohlich-übertriebenen Betonungen steigert Bédard die von Gaudet erdachte Verbal-Performance zu einer derartigen Intensität, dass Momenten der Stille, von Blicken, ineinandergleitenden Bewegungs- und ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 156
von Philip Szporer
Schön sein kann jeder Tänzer, Hässlichkeit erfordert Mut. Der Australier treibt alles bis ans Limit und gibt deshalb auch ein Monster nach Maß für Liam Scarletts «Frankenstein» am Royal Ballet in London
Er hat einen feingliedrigen, fast femininen Körperbau, einen blassen Teint, dazu rotblondes Haar. Mit seiner hohen, feinen Stimme beantwortet er kultiviert und mit...
Dem Tanz haftet – vielleicht wie keiner anderen Kunstform – der Nimbus einer universellen Sprache an. Grenzüberschreitend soll er die Menschheit verbinden und – so die Mission des Welttanztages der UNESCO – zum Weltfrieden führen. Der 29. April dient alljährlich dazu, «alle Formen des Tanzes an diesem Tag zu vereinen, den Tanz zu feiern, seine Globalität...
Grenzgänger. Zum Beispiel Yaguine Koita und Fodé Tounkara, 14 und 15 Jahre alt, geboren in Guinea, im Sommer 1999 umgekommen bei dem Versuch, als blinde Passagiere im Fahrwerk eines Flugzeugs nach Europa zu gelangen. Bei sich hatten die beiden Jungen aus Conakry einen handgeschriebenen Brief an «Exzellenzen, geehrte Damen und Herren, Verantwortliche von Europa»....
