Die Bairishe Geisha
Wo ist er nur, der Schlüssel zu den glücklichen Ahnungen der Kindheit? Versteckt er sich ganz hinten im Schubladeneck? Oder lauert da noch ein verstaubter Albtraum, der seine frühere Wirtin und ihr Publikum gern noch einmal im Schlaf überfallen würde? Und wer ist das graue Fräulein hinter der Glasscheibe? Eine verwunschene Gouvernante oder gar ein verhextes Kind, das zur Puppenmutter der eigenen Fantasie geworden ist?
Seit gut zehn Jahren geistert ein Gespenst durch die Münchner Theaterlandschaft, ein bodenständig-exzentrisches, gutbürgerlich-bohemienhaftes Zwitterwesen mit
(bis dato) drei Gesichtern. Zwei von ihnen, Judith Huber und Marianne Kirch (umzugsbedingt seit Kurzem nicht mehr dabei), tragen souverän die rotlippige Blässe und den pechschwarzen Haarhelm der japanischen Kunstdienstleisterin zur Schau, dazu stilechte Seidenkimonos von Detlev Diehm, während die Dritte im Bunde, Eva Löbau, als Übermama und patente Managerin mit mausgrauer Perücke und Kostüm im Hintergrund dezent die Peitsche schwingt und ihre beiden Paradiesvögel zur Arbeit antreibt.
Wie die konkret aussieht, ist grundsätzlich unberechenbar und schwer zu beschreiben, ist doch «Die Bairishe Geisha» nur zum Teil ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Licht geht aus, und das Publikum brüllt und pfeift. Dabei ist nichts auf der Bühne, nur Dunkelheit. Diesem merkwürdigen prologischen Krawall bei Kinder- und Jugendstücken antwortet, ins Schwarz des Saals im Düsseldorfer Tanzhaus NRW hinein, ein noch heftigeres Brüllen und Pfeifen – wie im Stadion oder beim Konzert. Dann beginnt Rockmusik. Antreibender Rhythmus....
Die Jury des Benois de la Danse hat sich Zeit gelassen und den Ballett-Oscar erst nach der Veranstaltung vergeben, die dieses Jahr in Vicenza stattfand. Salomonisch das Urteil, das diesmal in jeder Sparte zwei Preisträger präsentiert. So in der Kategorie «Choreografen» mit Wayne McGregor für «Infra» (Royal Ballet London) und José Martinez für «Les Enfants du...
Kieselsteine symbolisieren Reinheit und Ewigkeit, Einfachheit und Glück. Aber Faustin Linyekula hält sich mit ihnen die Augen zu und schüttelt sich in Weinkrämpfen. Unser Trost ist, dass bei einem derart drahtigen, federleichten Körper einfach kein Pathos entstehen kann. Hier ist alles wahr, unmittelbar. «Keine Folklore» ist eins von Raimund Hoghes Leitmotiven...
