Der verschwommene Körper
Das Wasser reicht Esteban bis zum Hals, alles um ihn herum ist Welle. Sonnenlicht bricht sich im Wasser, dessen sanfte Strömungen seinen Körper wie in einem Tanz mitreißen. Langsam durchdringt es seinen Körper, beraubt ihn seiner Konturen. Alle Bewegungen verschwimmen. Jedes einzelne Molekül gehorcht einer Musik aus Myriaden von Klängen. Seine Körperteile rasen, andere schwingen, ruhen, schweben. Die karibischen Rhythmen seines Insellebens verwandeln Esteban in ein Puzzle tanzender Moleküle.
In seinem Roman «El siglo de las luces» (Das Zeitalter des Lichts) erweckt der Autor Alejo Carpentier erstaunliche Phantasmagorien eines Körpers, wie ihn Kolumbus vor mehr als 500 Jahren gesehen haben könnte. Esteban, der Protagonist des Carpentier-Romans, soll zumindest einer der Inselbewohner sein, die Kolumbus erblickte, als er im Oktober 1492 in der Karibik erstmals auf Land stößt.
Kolumbus begegnet den Inselbewohnern
Der Entdecker ist seit mehreren Wochen auf See, seine Männer sind müde und ausgehungert. Bis ihnen der Wind Landgeruch zuträgt. Vogelflug und im Wasser treibende Vegetation sind Vorboten eines bis dato ungesehenen Inselparadieses. Was Kolumbus zu Gesicht bekommt, muss ihm ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Akram Khan,
Ihre Arbeit verteilt sich auf drei Bereiche, auf Solo-Performances, die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und auf Gruppenstücke. Wie verhalten sich diese Bereiche zueinander? Der Kathak-Tänzer und der zeitgenössische Choreograf in mir liegen sehr eng zusammen, der Kathak-Tänzer liegt sogar ganz knapp vorn. Aber, um nicht missverstanden zu werden: ich...
July 5, 2005 – a day like any other at the Gulbenkian Ballet. Rehearsals, talks on the corridors, everything going smoothly. Then the news came. The ballet company had ceased to exist a few hours earlier. Suddenly all rehearsals had to end, commissions were suspended (paid for but never premiered), no more tours, no more shows.
Reactions of incredulity came from all...
Olga Roriz stieß in ihrem Stück «F.I.M.» (für: «Fragmente, Einschreibungen, Erinnerungen») auf lauter grundsätzliche Frage wie: «Was ist Raum?». Dazu knöpfte ein Tänzer Hemd und Hose auf und begoss sich mit Theaterblut. Raum sei, worin die menschliche Existenz gesperrt ist. «Was ist Zeit?» Die im Stuhl sich windende Tänzerin antwortete, dass sie «tired for...
