Brüllen wie die Tiere

Tanz - Logo

59. Festival d’Avignon. Am Eröffnungstag sitzt der Kulturminister ganz vorn im Ehrenhof des Palais des Papes, um sich den neuen Fabre anzusehen. Die seit zwei Jahren gegen den Abbau ihrer Arbeitslosenversicherung protestierenden Künstler haben Karten für die hintersten Ränge ergattert, rufen von dort: «Minister raus!» Er geht nicht. Die Protestler brüllen weiter. Fabre und Festivalleitung bitten, jetzt doch die Künstler sich ausdrücken zu lassen. Und was machen die? Brüllen.

«L’histoire des larmes» beginnt, nach ein paar Harfenklängen, mit Babygeschrei aus neun trainierten Kehlen. Das Protestbrüllen von hinten geht larmoyant unter. Von diesem Fiasko erholen sich die um ihre Rechte kämpfenden Intermittents, die vor zwei Jahren das Festival an den Rand des Abgrunds brachten, nicht mehr. Es war ihr erster und letzter Nadelstich.
Alle freuen sich, dass das Festival wieder Charakter hat, in diesem Jahr einen flämischen. Und alle langweilen sich in Flanderns Aufführungen. Fabre lässt die «Babys» schreien, bis die andere Hälfte, deren Eltern spielend, mit Kissen und Füßen und anderen Schlägen um Ruhe kämpft. Als diese endlich eintritt, offeriert er das Unerwartete: erbauliches ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2005
Rubrik: Magazin, Seite 14
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fluchtgefahr

Sollten manche Kollegen Paul Lightfoot/Sol León im Jahrbuch als Hoffnungsträger führen, so wären sie nicht zu widerlegen. Das Nederlands Dans Theater I schenkte Montpellier ­Danse zwei Premieren. Eine, «Silent Screen», ist das Werk der aktuellen künstlerischen Leiter der Vorzeigekompanie aus Den Haag. Die andere, «Ano­maly One», ist ein Sturm im Wasserglas von...

Sacrifice the puppets

“Polis” is the third part of the project “Ho male all’altro,” which means something like “the other hurts me” or “I hurt with the other;” a series of works by Michele Abbondanza and Antonella Bertoni begun in 2000 inspired by ancient Greek tragedies. After “Alcestis,” which looked at self-sacrifice through generosity and love, and “Medea,” the sacrifice of others...

Rize: Krumping in the movies

In David LaChappelle’s documentary, Rize, the pent-up rage of kids from Los Angeles’ South Central bursts off the screen and grabs you by the throat. But instead of violence, the anger takes shape in the exhilarating new dance forms called krumping and clowning. Clowning was invented out necessity and providence by an ex-drug dealer, Thomas Johnson (Tommy the...