Fluchtgefahr
Sollten manche Kollegen Paul Lightfoot/Sol León im Jahrbuch als Hoffnungsträger führen, so wären sie nicht zu widerlegen. Das Nederlands Dans Theater I schenkte Montpellier Danse zwei Premieren. Eine, «Silent Screen», ist das Werk der aktuellen künstlerischen Leiter der Vorzeigekompanie aus Den Haag. Die andere, «Anomaly One», ist ein Sturm im Wasserglas von Jacopo Godani.
Die Tanzwelt teilt sich in jene, die meinen, jede Art körperlicher Kommunikation sei unweigerlich Tanz, und jene, für die eine Ballettfigur nur dank kinetischer Energie lebt.
Erstere sind stolz, den Tanz von einer vermeintlichen Fixierung auf das Kino befreit zu haben. Lightfoot León dagegen schreiben eine Art Rezeptur für das romantische Handlungsballett der Zukunft: ausgerechnet mit einem sphärischen Road Movie in Schwarzweiß. Drei Bildschirme bilden die Rückwand einer verengten Bühne. Die Protagonisten gehen träumend am Strand. Was ihnen in den folgenden fünfundvierzig Minuten widerfährt, ist ein Leben das, dem Wasser entstiegen, sowohl in den Sternen als mit dem Tod endet. Lightfoot León servieren einen Cocktail aus Expressionismus, New Age, Romantik, Mythos, Symbolismus (Wald, Fenster, Wolkenhimmel, ...
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Das muss man Ballettintendant Reid Anderson lassen: Er scheut nicht das Risiko und stellt schon jetzt die Weichen für die Zukunft. Sein Coup: die Ernennung von Marco Goecke zum Haus-Choreografen des Stuttgarter Balletts. Während andere Kompanien nach wie vor auf die Mithilfe von Gästen angewiesen sind, hat das Stuttgarter Ballett damit ab sofort gleich zwei...
Alfred Döblin schrieb dem Ballett in «Die Tänzerin und der Leib» (1910) eine brutale Deformation des Körpers und damit der Seele zu. Ernst Jünger feierte umgekehrt in «Über den Schmerz» (1934) die Zurichtung des Körpers als das Ziel jeder Seele. Und Rainer Maria Rilke betrachtete den Tanz als eine Verwandlung, in der das Sichtbare endlich unsichtbar und geistig...
«Kanada ist ein sehr großes Land», sagt Édouard Lock von La La La Human Steps, der seit 1983 auf der ganzen Welt tourt: «In großen Ländern spielt der Körper eben eine andere Rolle als in kleinen: Wie man sich bewegt in einem so großen Land, ist eine Frage, wie man auftritt, wie man Menschen begegnet, wie man sich hält.» In der Hotellobby läuft der Fernseher....
