Brief aus Cali

Kolumbiens Tanz

Tanz - Logo

Vor dem Nachbarhotel, dem teuersten am Ort, hat es ein Kollege beobachtet. Ein junger Kolumbianer erzwingt von einer Touristin mit dem Messer die Herausgabe ihrer Handtasche. Zur Mahnung ritzt er ihr noch in die Hand. Kriminalität und Amüsement liegen dicht beieinander. In einer Seitengasse unweit des Hotels trifft sich nachts die schrillbunte Travestieszene.

Ungefährlich lebt man nicht im andengesäumten Cali, der mit gut drei Millionen Einwohnern drittgrößten Metropole Kolumbiens.

Selbst wenn das einst so mächtige wie gewalttätige Cali-Kartell zerfallen ist, agieren seine Splittergruppen auch weiterhin im Drogengeschäft. Cali ist beliebt, trotz Regenreichtum. Die gleichbleibenden Temperaturen um die 26 Grad Celsius lockten schon 1536 den Stadtgründer, einen Offizier aus Pizarros Plündererheer. Der Geist der Piraterie hat sich erhalten.

Dass Cali auch in die Tanzgeschichte eintrat, verdankt die Stadt einer resoluten Dame. Schlüsselerlebnis für Gloria Castros Weg zum Tanz war der Film «Die roten Schuhe» von 1948. Die wohlhabende Tochter zog aus nach Palermo und in die Arena di Verona, sie studierte in Prag und kehrte 1970 nach Cali zurück. Dort gründet sie, nach kubanischem Vorbild, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Das könnte Sie auch interessieren:
Brief aus Prag
Brief aus Haifa


Tanz Oktober 2009
Rubrik: Kolumne, Seite 49
von Volkmar Draeger

Vergriffen
Weitere Beiträge
François Verret: «Do You Remember No I Don’t»

François Verret hat es nicht leicht, alle Erwartungen zu erfüllen, die er mit einem neuen Projekt wecken kann. Als einer, der zwischen den Kunstsparten nicht trennt, sondern sie vereint, musste er zur Premiere bei Montpellier Danse wieder einmal erleben, wie jeder zuerst bedient werden will. Da fanden die einen, sein «Do You Remember No I Don’t» sei doch gar kein...

Life after Merce

What next? «Wir werden versuchen, dieses Werk auf jede uns mögliche Weise am Leben zu erhalten», sagt Robert Swinston, langjähriger Tänzer der Merce Cunningham Dance Company (MCDC), rechte Hand des Choreografen und einer von vier Treuhändern des Cunningham Trust. «Wir werden keine neuen Stücke mehr haben, aber was wir haben, wird bewahrt. Wir nehmen etwa fünfzig...

Das Liebe Geld

«Ich brauche ja wenig Geld zum Leben», seufzt die Choreografin Ingeborg Liptay in ihrer Wohnung in der, so wörtlich, «Straße der Schatzmeister der Börse» im Herzen von Montpellier. Sie zeigt den Stuhl, auf dem einst ihr Lehrmeister Kurt Jooss Platz nahm, als er sie besuchte. Was Liptay betrübt, ist, dass sie ihre Stücke kaum noch aufführen kann. Deren Thema ist die...