Foto: Dorothea Tuch
Annemie Vanackere: Das Morgen entwerfen
«To imagine the future is a political practice», schreibt die Feministin Laurie Penny auf der Netzplattform «The Baffler». Die Zukunft zu imaginieren, steht gerade auch im Zentrum unserer künstlerischen Arbeit im Theater. Im Theater erproben wir das Leben, die Welt. Die Bühne ist ein Raum zum Experimentieren und Imaginieren, zum Ausloten anderer Lebensmodelle und Utopien. Dieser Raum macht auch etwas mit der Zeit, oder besser gesagt mit unserem Zeitgefühl.
Er gibt uns die Möglichkeit innezuhalten, aus der Alltagszeit auszusteigen und uns einzulassen auf Ideen, Anregungen und Vorstellungen anderer. Das Theater ist keineswegs bloß ein Rückzugsort in eine ästhetische Autonomie; es steht immer auch in Verbindung mit der Gesellschaft und der Welt ringsum.
Mythische Theaterorte sind genau die Orte, an denen sowohl Künstler und Künstlerinnen wie Besuchende die Erfahrung gemacht haben, dass etwas Neues entsteht. Kann man aber arbeiten – an einem mythischen Ort? Besteht nicht auch die Gefahr, dass der Mythos zu etwas Starrem, Unveränderlichem wird? Wer oder was definiert, was als – oft erotisch konnotierter – «mythischer Ort» gilt? Sicherlich ist es jedes Mal ein komplexes Zusammenspiel ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 126
von Annemie Vanackere
Berlin, 6. Juli 2017
Lieber Tanz,
in den letzten Jahren haben wir dir so viele Briefe geschrieben, und noch immer antwortest du nicht. Wir warten darauf wohlwissend, dass Schreiben nicht so dein Ding ist. In der Zwischenzeit werden wir die Menschen weiterhin bitten, dich anzuschreiben, um dir zu sagen, was ihnen wichtig ist in Bezug auf dich, wie sie mit dir leben...
Der Konzeptkünstler Peter Kees setzt «Arkadische Quadratmeter» in die Landschaft. Die symbolische Landnahme steht für eine Utopie: dass nämlich die Erde wieder der Erde gehört, statt als Staatsbesitz zu firmieren. So ließe sich auch der Körper anders denken: nicht als staatsbürgerliche Hülle, sondern als freies Wesen, das seinen eigenen arkadischen Traum tanzt....
Die Eigenschaft zu leuchten hat Hellerau bis heute behalten – mythischer Ort mit magischer Aura über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Hellerau, die Gartenstadt ebenso wie ihr Zentrum, die dem Rhythmus geweihte «Bildungsanstalt Jaques-Dalcroze», leuchtete – um Thomas Manns 1902 ersonnenes, geflügeltes Wort über München abzuwandeln. Und das tat Hellerau selbst im...
