Foto: Simone Steiner
deufert&plischke: Lieber Tanz,
Berlin, 6. Juli 2017
Lieber Tanz,
in den letzten Jahren haben wir dir so viele Briefe geschrieben, und noch immer antwortest du nicht. Wir warten darauf wohlwissend, dass Schreiben nicht so dein Ding ist. In der Zwischenzeit werden wir die Menschen weiterhin bitten, dich anzuschreiben, um dir zu sagen, was ihnen wichtig ist in Bezug auf dich, wie sie mit dir leben oder ohne dich.
Über 500 Briefe hast du schon aus Berlin und Tel Aviv bekommen, mehr folgen in diesem Herbst noch aus New York, der Stadt des Postmodern Dance und der noch nicht getanzten Träume. Das Projekt mit dir heißt «Just in Time» – wir denken, es ist an der Zeit, dass wir eine Sprache finden für dich. In Berlin, in der Stadt des Postdance und der somatischen Tagträume, waren wir in Bibliotheken, Schulen, Altersheimen, Cafés, auf dem Tempelhofer Feld, wo die Drachen in der Luft tanzen, um dort Menschen zu finden, die sich noch für dich interessieren. Manche schreiben, dass sie dich lieben, dass du sie geheilt hast, dass sie ohne dich nicht leben können, dass sie dich nicht mehr brauchen, weil sie jetzt in einer festen Beziehung leben, dass sie dich so lange nicht gespürt haben, dass sie dich nicht so gut verstehen ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 108
von deufert&plischke
Marco Goecke ist klug. Er umgeht sämtliche Fallstricke, über die die meisten seiner Choreografen-Kollegen stolpern. Denn anders als viele glauben, ist es eben nicht leicht, eine Tänzer-Biografie mittels Tanz zu erzählen. Der Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts ging mit «Nijinski» fremd. Er choreografierte für Gauthier Dance, die Stuttgarter Kompanie des Tänzers...
Sie hätte Milena Jesenská verkörpern sollen, «ein lebendiges Feuer, wie ich es nie gesehen habe», so Franz Kafka einmal in einem Brief an Max Brod. Bekanntlich ist es zu dem «Kafka»-Ballett von Marco Goecke in Stuttgart nicht gekommen, und das ist schon deshalb bedauerlich, weil Jessica Fyfe so ganz und gar der Vorstellung Kafkas entspricht: Sie ist «äußerst zart,...
Von solchen Freunden beziehungsweise Freundinnen hätte der Tanz gerne mehr. Seit 2013 leitet Brigitte Fürle die künstlerischen Geschicke des Festspielhauses St. Pölten. Seither geben sich hier die Größen der internationalen Szenen die Klinke in die Hand, für Auftritte und Residenzen. Fürle koproduziert Hofesh Shechter, Israel Galván, Lemi Ponifasio. Sie bietet den...
