mono-ikonografie: Carolyn Carlson
In Frankreich formt die Amerikanerin finnischen Ursprungs Wörter zu Gedichten, «visuelle Poesie» choreografiert sie, was nun in einer fotografischen Gedichtsammlung mündet. Auf dem Titel prangt ein Bild aus ihrem Film «Writings in the Wall» (1979). Ihr Gesicht überzieht sie mit schamanistischen Pinselstrichen. Dreißig Jahre Tanz werden in dem Buch eingefangen, von einer Fotografin: Claude Lê-Anh. Carolyn Carlsons Werk gewinnt so Kohärenz, als hätte sie von Anfang an ihr Lebenswerk geplant, ruhig und stetig.
Den Anfang bilden Schnappschüsse der Groupe de Recherches Théâtrales de l’Opéra de Paris, man sieht unsere Heldin auf dem Rennrad mitten im Opernhaus. Carolyn Carlson gibt es als tigerndes Top-Model oder in rotem Samt am Strand, wie von Christo persönlich verpackt. Auf der Bühne zeigt sie sich gern mit Tero Saarinen, Marie-Claude Pietragalla, Jorma Uotinen. Nur einer sticht sie alle aus: der betörende, androgyne Larrio Ekson bei den Proben in der Rotonde, dem historischen Probensaal der Garnier-Oper.
Philippe Verrièle, «Carolyn Carlson. Paris Venise Paris»,
Actes Sud, Arles 2010
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