Klare Haltung macht Formprobleme

Wie linke Kunst machen, wenn sich der Endkapitalismus ständig ästhetisch selbst überbietet? Ein Porträt des Goldene-Zitronen-Gründers und Theatermachers Schorsch Kamerun

Theater heute - Logo

Den Begriff «linke Kunst» benutzt eigentlich niemand mehr. Obwohl sicherlich die meisten Theaterleute, Künstler, aber auch Kulturjournalisten mit einer Westsozialisation in den 70ern und 80ern auf Brokdorf- oder Startbahn-West-Demos waren, sich die Köpfe über die RAF heißreden konnten und Teile ihres Bafögs auf das «Waffen für El Salvador»-Konto der «taz» gespendet haben, sind diese Erfahrungen mehr Geschichte als Erbe.

Selbst politische und skeptische Kulturgeister füllen das Logo «Links» kaum mehr mit Inhalt und bemühen sich bei ihrer Kapitalismuskritik um faktische Einwände und wenig um strukturelle Angriffe im Dienste einer sozialistischen Utopie. Am Linken festzuhalten steht vielmehr unter Ideologieverdacht, schließlich war linke Praxis immer mit Denk-, Handlungs- und Stilzwängen belegt. Und um­so weiter diese aufgeweicht wurden, umso mehr verlor das Linkssein an Kontur und Identifikationskraft.

Doch vielleicht ist dieses Verkorken alter Bekenntnisse eine Form der Hilflosigkeit, über die es sich offensiv nachzudenken lohnt. Schorsch Kamerun jedenfalls will das Linke als Vorschlag nicht einfach aufgeben. «Was ich Ende der 70er, Anfang der 80er an Idealen aufgebaut habe, ist mir ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2007
Rubrik: Posen und Performance, Seite 4
von Till Briegleb

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unterwegs im Interretschio

Victor Flemings «Der Zauberer von Oz» von 1939 ist ein skurriler Film. Ein Mädchen aus Kansas träumt sich während eines Hurrikans in eine Zauberwelt, in der es, begleitet von seinem Hund, einer Vogelscheuche, einem Blechmann und einem recht würdelosen Löwen die bösen Hexen des Ostens und Westens besiegt. Das Skurrile an «Der Zauberer von Oz» ist die Mischung aus...

Die wollen nur spielen

Willkommen im Land der Kälte. Eisblaue Styroporklötze stapeln sich in geordneter Unordnung bis an den begrenzten Horizont der Bühne des Weimarer Nationaltheaters. Aus der Wüste ragt ein überlanger Drehstuhl empor, der entfernt an den Schiedsrichtersitz eines Center Courts erinnert. Rechts daneben glaubt man, eine Bar zu erkennen. Der Iglu des Grauens, in dem sich...

Wildmöwe, 2. Teil

Die Deutschen sind fortpflanzungsunwillig – eine bekannte Diagnose. Roland Schimmelpfennig bietet eine originelle Erklärung dafür: Schuld sind die fortpflanzungsfreudigen Altväter. Die penetrante Präpotenz der Älteren erstickt die Fähigkeit der Jüngeren, das Leben weiterzugeben.

Schimmelpfennig konstruiert sich einen nicht unwahrscheinlichen Fall: Ein mittelalter...