Exhumierte Exotik
Historisch informierte Inszenierungen von Ballettklassikern erfreuen sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Mithilfe historischer Dokumente und Archivmaterialien wird dabei der Versuch einer größtmöglichen Annäherung an das Original unternommen. Entsprechend profilierte Aufführungen von «Le Corsaire», «Paquita» oder «La Bayadère» – um nur einige Beispiele zu nennen – geraten derzeit allerdings auf doppelte (und paradoxe) Weise ins Visier.
Auf der einen Seite beinhalten sie exotische, nationale oder folkloristische Elemente und sehen sich der Forderung aus Kritik und Kulturwissenschaft ausgesetzt, fremde und deshalb kolonialismusverdächtige Narrative zu entschleiern. Auf der anderen Seite unterstreicht jede dieser kinästhetisch opulenten Re-Konstruktionen, welche Bedeutung die Tanzvergangenheit besitzt. Wie also verhalten sich die Appelle postkolonialer Theorie und die derzeitige Aufwertung tanztheatraler Archäologie zueinander?
Das Diskursgespenst: Fremdheit aus postkolonialer Perspektive
Der Tanz im 19. Jahrhundert ist durchzogen von Komponenten der Fremdheit – einer Fremdheit, die der Widerschein europäischer Kolonialisierungen auf dem Theater ist. Die mit Nachdruck ...
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Tanz Juni 2019
Rubrik: Ideen, Seite 50
von Claudia Jeschke
Deutschland
Altenburg
Landestheater
«Liberace – Glitzer, Schampus und Chopin», Choreografie Silvana Schröder, Thüringer Staatsballett. 2., 6. Juni
www.tpthueringen.de
Augsburg
brechtbühne im Gaswerk
Premiere «New Comer – Junge ChoreografInnen», Ballett Augsburg. 7., 11., 13. Juni
martini-Park «Dimensions of dance. Part 2», Choreografien von Peter Chu, Ricardo...
In kaum einer Kunst wird sexuelle Identität so konsequent hinterfragt und dekonstruiert wie im Tanz. Zumindest theoretisch. Praktisch sieht es so aus, dass beispielsweise Transsexualität auch im zeitgenössischen Tanz kein Thema ist. Und in den Strukturen keinen Platz findet. Aline de Oliveira- etwa hat ihren Job als Tänzer bei einer renommierten klassischen...
CD des Monats: Terpsichore
Keine der großen Barock-Ballerinen ließ sich die Musik von Jean-Féry -Rebel entgehen. Aber es waren auch wahre Kleinodien, die er Françoise Prévost, Marie Sallé und Marie-Anne -Cupis de Camargo gleichsam zu Füßen legte: oft nur von sekundenlanger Dauer wie beispielsweise das Grave in der Tanz-Sinfonie «La Terpsi-chore» aus dem Jahr 1720,...
