Hülle ohne Fülle

Die Shirt-Art von Isak Immanuel

Tanz - Logo

Wann immer der kalifornische Fotograf und Tänzer isak immanuel eine fremde Stadt besucht, hat er den Drang, sich in ihr zu verlieren. So findet er das Verlorene. Menschenleere Kleider unter Brücken, verlassene Hemden in verlassenen Häusern. Er nimmt diese Stücke von Menschen ohne Namen, um sie als Kostüme in seinen Tanzperformances zu nutzen. Eine verlorene zweite Haut. In Prag damals fand er eine Hose, nahm sie in einer Plastiktüte mit und wurde knapp einen Kilometer weiter von einer Tschechin aufgehalten. Es sei die Hose ihres vermissten Sohns, weinte sie.

Damals war Isak Immanuel als Fotograf auf den Spuren seines tschechischen Kollegen Jan Saudek. Und fand die Spur des Todes, ebenso in Berlin, Paris, Seoul und Taipei. Überall gab es herrenlose Kleider, auf ominöse Weise von ihren Trägern getrennt. Und überrascht stellte er fest: Das Markenschild entsprach nie dem Land, in dem er die Kleidung fand. Als hätte sie sich selbstständig gemacht, als hätte nicht der Träger, sondern das Hemd oder die Hose sich aus dem Staub gemacht. floorofsky.org
Artist’s statement: see ballet-tanz.de

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2009
Rubrik: Jenseits, Seite 74
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Pina Bausch ohne Geburtshaus

«Jemandem ein Denkmal zu setzen, der noch lebt, verstößt gegen den guten Geschmack!» Mit diesen Worten hat Pina Bausch einem Plan der Grünen die Unterstützung versagt. Die Partei wollte ungewöhnlich geschichtsbewusst eine ehemalige Gaststätte nebst Hotel im Solinger Stadtteil Central erhalten. Denn in diesem Haus in der Focher Straße 10-12 ist am 27. Juli 1940 jene...

Frederick Ashton: «La fille mal gardée»

Die Rekonstruktion älterer Stoffe und Aufführungen hat Konjunktur. In Karlsruhe ist Ballettchefin Birgit Keil Verfechterin dieser Tendenz. Wie jetzt mit Frederick Ashtons 1960 in London uraufgeführtem Klassiker «La fille mal gardée»: Er ist bunt, idyllisch und herrlich naiv.

Der ehemalige Solist des Royal Ballet London und Ashton-Freund, der 82-jährige Alexander...

Das Bild und seine Geschichte

Zwei Schaufenster, drei Tänzer, vier Quadratmeter – der Gastauftritt des Königlichen Balletts im Nobel-Kaufhaus NK mitten in Stockholm sorgte für Überraschungen auf kleinstem Raum. Ganz zur Freude der Macher. Die hatten sich in den Kopf gesetzt, dem altehrwürdigen Ensemble mit dem halbstündigen Auftritt im Shoppinggetümmel mehr und gern auch jüngere Zuschauer zu...