Martin Schläpfer

Tanz - Logo

«Grauenvoll, schrecklich, un-er-träg-lich!» Empört verlässt die Zuschauerin das Opernhaus in Düsseldorf. Einen Studenten, der ihr einen Werbe­flyer für ein Konzert entgegenstreckt, blafft sie an: «Hoffentlich muss man da nicht so schreckliche Musik hören wie hier. Mir tun jetzt noch die Ohren weh.» An der U-Bahn-Haltestelle trifft sie auf eine andere Opernbesucherin. «Diese hässlichen Bewegungen. Und das ist so gewollt!», echauffiert sie sich weiter. Ihre Gesprächspartnerin hört sich die Tiraden an. Dann sagt sie ganz ruhig: «Aber dieses Ballett hat doch was.

» Die Damen haben Tanz zur Samuel-Beckett-Oper «Neither» von Morton Feldman gesehen. Der Choreograf, der derart polarisiert, heißt Martin Schläpfer.
 
Der Schweizer trat in der vergangenen Spielzeit seinen neuen Job als Ballettdirektor und Chefchoreograf der Deutschen Oper am Rhein mit dem Anspruch an, Tanzkunst für das 21. Jahrhundert zu schaffen. Dass er auf seinem Weg dorthin nicht gleich das ganze Düsseldorfer Publikum würde mitnehmen können, war abzusehen. Seine Kunst ist tief empfunden, aber nicht unbedingt populär. Schläpfers abstrakter, allenfalls episodenhaft gehaltener Tanz ist reduziert, konzentriert und so ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2010
Rubrik: Choreograf des Jahres, Seite 94
von Bettina Trouwborst

Vergriffen
Weitere Beiträge
Alban Lendorf

Das Königlich Dänische Ballett zeigt derzeit zu wenig Charakter. Die meisten der Neuzugänge haben nach dem Engagement von Nikolaj Hübbe nicht genug Persönlichkeit, weder in dänischen Klassikern wie «Napoli» noch in John Neumeiers «Sommernachtstraum», der darum wenig überzeugte. Allein Alban Lendorf schafft es, sogar in Nebenrollen die Aufmerksamkeit auf sich zu...

Out of context – for Pina

Acht Tänzer treten im Alltagskostüm auf die Bühne, entkleiden sich, als würde gleich ihre Yogaklasse beginnen. Halb nackt schmusen sie sich in rosafarbene Wolldecken, die sie von einem sauber aufgeschichteten Stapel nehmen. Geigensaiten kratzen Grunzgeräusche, Blicke treffen sich und erzeugen Paarbildungen. Man beschnuppert sich auf leerer Bühne wie erste Menschen...

Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg

Die Tanzszene in Mecklenburg-Vorpommern ist relativ groß, obwohl allein am Staatstheater Schwerin ab der Wende bis 1995 ganze 170 Stellen gestrichen wurden. Mit drei Positionen weniger gegenüber den 18 zu Zeiten von Joachim Ahne 1991/92 kam das Ballett aber eher glimpflich davon. Seit 2004 trainiert es Jens-Peter Urbich und arbeitet mit Gastchoreografen; Dominique...