Out of context – for Pina
Acht Tänzer treten im Alltagskostüm auf die Bühne, entkleiden sich, als würde gleich ihre Yogaklasse beginnen. Halb nackt schmusen sie sich in rosafarbene Wolldecken, die sie von einem sauber aufgeschichteten Stapel nehmen. Geigensaiten kratzen Grunzgeräusche, Blicke treffen sich und erzeugen Paarbildungen. Man beschnuppert sich auf leerer Bühne wie erste Menschen und scharrt mit den Hufen. Zwei Damen entblößen sich zuerst, die Herren folgen, einer krächzt in eins der beiden Mikrofone ein «Laissez-moi», andere schlagen ihre rosafarbenen Linus-Decken auf den Boden.
Ein Ritual müsse so beginnen, man greift sich gestisch ins Gesicht, geht breit in Karatestellung, sinkt synchron zu Boden, zuckt dabei, wie es die Lehrbücher der Hysterie vorschreiben, die der Genter Choreograf Alain Platel so gern liest. Prompt verfällt man parallel choreografiert in Trance, streckt zum Beweis die Zunge heraus, die Münder blöken stumm, die Augenlider werden auseinandergezogen, die Glieder dehnen sich zu Pianomusik. Figuren der klassischen Psychiatrie tauchen auf wie Birdie, der Junge, der glaubte, ein Vogel zu sein, und Stunden auf der Querstange seines Eisenbetts ausharrte, als wäre Platel noch immer ...
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Allein im Mai 2010: 139 Tanzvorstellungen. Fast so viele sind es auch sonst, außer im Sommerloch. Davon entfallen 40 auf die zehn Stadttheaterensembles in zwölf Städten, von insgesamt 25 «öffentlich getragenen Theatern». Die Kulturabteilung der Staatskanzlei förderte Tanzensembles und -projekte mit knapp 2,5 Millionen Euro, verdreifachte damit in vier Jahren den...
Sein Tanzen erinnert an eine Wildkatze, die sich anpirscht: anmutig, konzentriert, aufs Nötige beschränkt – eine perfekte Manifestation von Lebensenergie. Wenn Russell Maliphant auf der Bühne steht, erleben wir einen besonderen Tänzer. Was er auch tut, er nimmt den Zuschauer gefangen; selbst wenn er nur ein simples Plié machte, würde man gebannt staunen ob der...
Ihn mit 64 Jahren einen Hoffnungsträger zu nennen, weil er, dem Vernehmen nach, in ein oder zwei Jahren das tanzhaus nrw der Stadt Düsseldorf vermachen will – was für eine Vorfreude ist das denn? Würde das Tanzhaus in städtischer Hand nicht ebenso zu einer Institution werden wie die Oper und das Schauspiel? Würde aus dem tanzhaus nrw nicht einfach nur das 37. vom...
