Winfried Schneider: «Leidenschaften»
Dass Winfried Schneider Leidenschaften effektvoll in Tanz zu bändigen weiß, bewies er schon einmal 2006 mit dem Tangoabend «Romance de barrio». Ähnlicher Erfolg dürfte Schneiders zweiter Produktion fürs Ballett des Staatstheaters Cottbus beschieden sein. Wieder lässt der Gast von der Staatsoperette Dresden die Emotionen kochen, erzählt vom Aufschäumen von Gefühlen, die Liebe und Tod bedeuten. Sein Abend «Leidenschaften» in der Kammerbühne macht den Zuschauer hautnah zum Komplizen lodernder Liebesscharmützel.
Für den Einstieg, «Infantin und Narr», greift Schneider auf ein Kunstmärchen von Oscar Wilde zurück und reduziert es auf die wesentlichen Figuren. Wie ein Schatten folgt der Narr seiner angebeteten Prinzessin. Die sieht in ihm nur Spielzeug, seine Zuneigung ist ihr gleichgültig. Herrisch weist sie, die Arme erhoben wie eine von Martha Grahams tragischen Heroinen, sein schüchternes Werben zurück und gebietet nicht Einhalt, als die Höflinge ihn misshandeln. In einem Anflug von Empörung erwürgt er die Unnahbare, erst im Tod darf er sie küssen. Nur elf Minuten dauert diese Miniatur zu Rodion Schtschedrins «Konzert für Orchester Nr. 2», das den musikalisch flirrenden Rahmen ...
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