dore hoyer erinnern

Sie wäre am 12. Dezember hundert Jahre alt geworden, die Grande Dame des Ausdruckstanzes. Manche ihrer Tänze leben noch. Unser Autor versucht sie anzuprobieren.

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Meine Tochter war fünf Wochen alt und ihr Nacken blockiert, weshalb sie mehr über die linke Schulter schaute als über die rechte. Meine Frau und ich gingen mit ihr zum Osteopathen. Die Praxis für Neurologie und Chiropraktik war ein Familienbetrieb: Der Vater war Osteopath. Der Sohn lernte es damals noch. Er suchte den richtigen Handgriff, aber es klappte noch nicht richtig. Also holte er seinen Vater. Unsere Tochter schien jetzt gerader, und der Sohn sagte etwas entschuldigend: «Ich lerne halt noch. Während ich drücke und drücke, kommt mein Vater mit einem Handgriff aus.

Schönen Tag noch.» Und verschwand zum nächsten Patienten.

Was sich hier ereignete, berührt auch eine der Grundlagen im Tanz: Wissen und die dazugehörigen Handgriffe, eine Praxis oder auch Technik, werden von einer Generation auf die nächste übertragen. Die Geschichte der Osteopathie und das gesamte Wissen einer Heilmethode wurden in diesem einen Augenblick kontraktiert, um vom Vater zum Sohn überzuspringen und um durch die Berührung zwischen den Medizinern und unserer Tochter heilend zu wirken. Ein solcher Moment braucht Übung und Studium. Handgriffe und Bewegungsabläufe müssen immer wieder von Neuem ausgeführt, ...

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Tanz Dezember 2011
Rubrik: traditionen, Seite 56
von Martin Nachbar

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