vergesst das vergessen

Wie verwandeln sich Zeugnisse der Tanzüberlieferung, wenn sie durch die Hände bildender Künstler wandern? Eine Salzburger Ausstellung macht die Probe aufs Exempel anhand der Sammlung der Tänzerin und Choreografin Friderica Derra de Moroda

Tanz - Logo

Acht junge Männer, die sich ihrer körperlichen Erscheinung nicht zu schämen brauchen, halten ein kleines Spielfeld besetzt. In Paaren oder Dreiergruppen konzentrieren sie sich auf eine Art Basketball. Zugleich schauen sie dem Besucher, der sich durch ihre Spielzüge bewegt, gern aufmerksam und bisweilen leicht erschrocken in die Augen. Vielleicht kommt ihre Befangenheit daher, dass ihr Ball aus Kupferblech besteht.

Oder, weil man immer wieder laszive Berührungen bemerkt – die Hand auf dem Po des Mitspielers, die Schulter allzu eng an den Bauch des anderen geschmiegt, ein Streichen über den muskulösen Schenkel? Sergei Tcherepnin verfremdet mit seinen großformatigen Fotografien nicht nur das trendige Bild vom Jugendsport, sondern vor allem Nijinskys Ballett «Jeux» von 1913. Der sportive Flirt im vierten Stock des Museums der Moderne auf dem Salzburger Mönchsberg steckt auch den Betrachter an. Und ist Sinnbild für die Amour fou, die sich dort oben ereignet: Zehn bildende Künstler erkunden den Tanz über den Umweg des Archivs, und das Archiv begleitet die Kunst mit dem nüchternen Blick der Ordnung.

Auf den Kopf gestellt

Sabine Breitwieser ist die Chefin dieses temporären Liebesnests. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2016
Rubrik: Traditionen, Seite 56
von Franz Anton Cramer

Weitere Beiträge
Bochum: Michaela Fünfhausen: «Kassandra»

«Vor den Bildern sterben die Wörter», heißt es am Ende. Und auch am Anfang des Tanztheater-Projekts sagt Kassandra kein einziges Wort. Kassandra, das ist in diesem Fall Jannis Arampatzis, Grieche von Geburt und seit der Jahrtausendwende Mitglied des von Achim Freyer gegründeten Freyer-Ensembles. Er muss sich ein Bild erst schaffen, bevor er seine Sprache...

Liverpool: David Dawson: «Swan Lake»

Siegfrieds Welt ist wie mit Brettern vernagelt. Ein Konstrukt aus grauen Balken hindert ihn, zu seinen Mitmenschen vorzudringen. Selbst als sich der Raum öffnet, bleibt er bei sich. Dabei lassen die anderen nichts unversucht, ihn in ihre Ensembles einzugliedern. Sich in immer wieder neuen Formationen findend, verwirbeln sie sich so virtuos, dass die Röcke fliegen....

serie: master-macher

Als herausragende Danseuse étoile der Pariser Oper hat Élisabeth Platel auf der Bühne stets künstlerische Risikobereitschaft mit akribischer Technik kombiniert. Sie feilte so lange an Schritten und Gesten, bis diese sprechend wurden. Aufmerksam wahrte sie die klassische Linie – und zögerte doch nicht, ihren eigenen Stil zu entwickeln. Platel tanzte, wie die großen...