Liverpool: David Dawson: «Swan Lake»

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Siegfrieds Welt ist wie mit Brettern vernagelt. Ein Konstrukt aus grauen Balken hindert ihn, zu seinen Mitmenschen vorzudringen. Selbst als sich der Raum öffnet, bleibt er bei sich. Dabei lassen die anderen nichts unversucht, ihn in ihre Ensembles einzugliedern. Sich in immer wieder neuen Formationen findend, verwirbeln sie sich so virtuos, dass die Röcke fliegen.

Allein Siegfried lässt sich vom Bewegungsfluss keinen Augenblick lang mitreißen: kein Fels in der Brandung, sondern ein Störenfried, der sich in seiner Außenseiterrolle gefällt und durch sein abweisendes Verhalten Bennos Geburtstagsparty schier zum Scheitern bringt. Erst als ihn der Freund an seine sozialen Verpflichtungen erinnert, gibt sich Siegfried ganz. Im Tanz verströmend, kommt der erste Akt doch noch zu seinem erhofften Ende. Mehr Handlung braucht David Dawson nicht, um den «Swan Lake» des Scottish Ballet in Gang zu halten. Kein Schloss, wie man es aus den überlieferten Aufführungen kennt. Einen «Schwanensee» lässt die abstrakte Bühne von John Otto mit ihren wellenartig geschwungenen Linien eher ahnen, als dass man ihn tatsächlich sieht.

Es gibt keine Königinmutter, geschweige denn einen Rotbart, und auch die ...

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Tanz Juni 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 48
von Hartmut Regitz

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