berlin: Falk Richter, Nir de Volff: «Never Forever»
15 Jahre ist es her, dass die Choreografin Anouk van Dijk gemeinsam mit Falk Richter den Tanz aufs Schauspiel losließ. «Nothing Hurts» hieß 1999 die kleine Sensation: Das Drama des Zeitgeists entwand sich dem Sprechzwang. Wenn Worte nicht mehr reichten, wurde getanzt. Bis 2012. Da übernahm Anouk van Dijk die australische Kompanie Chunky Move. Falk Richter blieb allein zu Haus.
Bis der Berliner Regieautor einen Nachfolger fand: Nir de Volff, den Israeli, der seit 2007 in Berlin mit «3some» tüchtig das jüdische Leben durch den Kakao zog, der beim Tanzen nie den Mund hielt – und dessen Witz nun verklungen ist. Er ist restlos delegiert an seinen neuen Partner Falk Richter, an die Schaubühne, an das Schauspiel.
«Never Forever» ist eine lange Tirade für acht Performer im neoliberalen Kampf gegen sich selbst. Sie ertrinken in Facebook, Überwachung und all dem, was diejenigen in die digitale Welt hinausbellen, die nach «zwei Jahren Studium der Psychologie und Tanzwissenschaft» auf der Suche nach Freiheit und Freundschaft weder das eine noch das andere erlangt haben. Das ist der Trauerrahmen, aus dem wie ein Refrain ständig ein «Verlass mich nicht» schallt. Es treten Großstadt-Monaden an, ...
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Tanz Oktober 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 34
von Arnd Wesemann
Es kommt nicht so oft vor, dass ein Ballett über alle Gräben von Generation und Gesinnung hinweg Begeisterung auslöst. Jean-Christophe Maillot ist das mit seiner Fassung von William Shakespeares «Der Widerspenstigen Zähmung» am Bolshoi gelungen. Die Premiere der exklusiven Produktion war – echte Rarität – ein voller Erfolg, wurde von Jung und Alt, Progressiven und...
«Saugut!!!», urteilt die «New York Times», und wo sie recht hat, hat sie recht: Der «Schweinesee», den das Bolschoink Ballett im Mettropol-Theater zeigt, hat es in sich. Schon beim Anblick der Werbeplakate kann einem das Wasser im Mund zusammenlaufen, und dem Wolf, der sich in ein abgelegenes Quartier seiner Stadt verirrt, knurrt ohnehin schon gewaltig der Magen....
ludwigshafen_________
africtions
Klar, dass «Coup fatal» (tanz 8-9/14), dass Alain Platel mit seinen singenden Dandys aus dem Kongo dieses Fest eröffnen muss. Ein Afrika-Tanzfest völlig frei vom gereizten Blick auf das Ebola-Virus und ohne den nervösen Blick auf Frontex-Grenzen. Stattdessen wird hier eine vorbildliche Koproduktion möglich: Der Pfalzbau in...
