Die Norm der Form

Franz Huyer: «Boléro» in Görlitz

Tanz - Logo

In die heimelige Atmosphäre des gediegen restaurierten Görlitzer Theaters, stellt Franz Huyer seinen intimen Dreiteiler, dem das Schluss-Stück den Titel gibt: «Boléro». Um den inneren Zusammenhalt der gegensätzlichen Themen zu wahren, hat er auch selbst die Ausstattung entworfen. Auf Diagonalschräge trennt ein lamellierter grauer Vorhang die Szene in ein Davor und ein schwarzes Dahinter. Das Davor mit seinem gekreuzten blauen Bodenbelag ist eine geschlossene Krankenanstalt, in der Candelas nach dem Tod ihres Geliebten unter Gleichgestimmten dahindämmert.

Lucia, eine Leidensgenossin der Candelas, will als Handlangerin des Untoten dem maladen Mädchen helfen: Sie drapiert die Verstörte in ihrem Anstaltsweiß zur Braut und erhängt sie an einer Art Über-Tropf. Im Tod seien wahre Liebende ewig vereint.
Endet de Fallas düsterer «Liebeszauber» im Original tröstlich, so lässt Huyer alle Hoffnung fahren: durch Vorhang-Projektionen, eine ins Endlose führende Brücke. Klappen die Lamellen auf, erkennt man schemenhaft den Tanz der Außenwelt, wie er die Duette im Anstaltsbereich grundiert. Die – wie der ganze Abend – auf halbe Spitze gestellte Choreografie bemüht sich um unprätentiösen Ausdruck, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2005
Rubrik: On Stage, Seite 40
von Volkmar Draeger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Antony Rizzi

Why do people dance? Why do choreographers make dances? When can they become honest with themselves as to why they must create? Who is it for? And if only for oneself then what a waste of money, no? When will old fashioned ideas about how to run a ballet company die away? When will ballet dancers be given responsibility and allowed to be adults? When will ballet...

Bleak House

Eccle­siasticus, the bleakest book in the Old Testament, is the text Tim Rushton chose as the basis of the first of two dances opening the tiny dance stage at Copen­hagen‘s new Opera (see the magazine section). “Kridt“ (i.e. “chalk“) opens in darkness, to the sound of chalk on a board; the sound of bleak school days, the cane and discipline. A body is being...

Schön in Shanghai

Das Shanghai Grand Theatre. Das strahlend weiße Gebäude am Platz des Volkes sieht aus, als würde eine gewaltige Reisschüssel einen Suppenteller vergewaltigen. Modern, klar, peinlich hell wie der Ballettsaal im fünften Stock. Fünf­zehn Tänzer des Jin Xing Dance Theatre, die einzige moderne Kompanie Shanghais, haben sich ins Musicalhaus eingemietet. Das kostet Geld....