Brief aus Haifa

Jerusalem ist arabische Kulturhaupstadt. Das gibt Ärger, schreibt unsere israelische Korrespondentin. Das palästinensische Tanzfestival durfte sie nicht besuchen. Da kam es nach Israel. O Gott!

Tanz - Logo

Der Papst forderte die Zweistaatenlösung. Was Krieg zwischen zwei souveränen Gebilden bedeuten würde. Bis dahin gibt's unzählige Sticheleien. Jerusalem, kurz bevor der Papst eintraf, wurde zu «Al-Quds, Hauptstadt der arabischen Kultur» erklärt. Ein Problem? In Ostjerusalem leben mehrheitlich arabisch Sprechende. Sie sind nur eben: israelische Staatsbürger.

Wenn sich in den Jahren zuvor Beirut und Damaskus als arabische Kulturkapitale feierten, ging das in Ordnung. Aber Jerusalem ist eine Provokation, auch für Palästinenser, denn es folgte, was folgen musste.

Israels Innenminister Avi Dichter fürchtete um die Sicherheit. Auch für das 2006 in Ramallah gegründete Tanzfestival, das als Teil der Feierlichkeiten zu «Al Quds» bezeichnet wird. Dieses palästinensische Festival ist auch in Palästina nicht unumstritten. Es entstand in Ramallah, der Stadt mit vielen Christen, vielen Journalisten und einem westlichen Nachtleben.

Strenggläubigen Muslimen geht es gegen den Strich. Schon im Vorfeld wurde es von orthodoxen Wakff-Führern als «frivol» verurteilt: Was es hier zu tanzen gäbe, wenn die Freunde im belagerten Gaza leiden und ihre Toten beklagen? Darauf der Festivalleiter Khaled Alayyan: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Das könnte Sie auch interessieren:
Brief aus Prag
Brief aus Cali


Tanz Juli 2009
Rubrik: Kolumne, Seite 49
von Ora Brafman

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Song der Stille

«Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.» Das uralte Zitat von Karl Valentin liegt, in deutscher Sprache, auf dem Schreibtisch von Anne Teresa De Keersmaeker. «It’s a present from a friend», lächelt sie. Ganz offensichtlich von jemandem, der ihre Arbeit gut kennt. Denn nur auf wenige Künstler mag Valentins Bonmot so zutreffen wie auf die Gründerin der...

Die Jury Benois de la Danse

Die Jury des Benois de la Danse hat sich Zeit gelassen und den Ballett-Oscar erst nach der Veranstaltung vergeben, die dieses Jahr in Vicenza stattfand. Salomonisch das Urteil, das diesmal in jeder Sparte zwei Preisträger präsentiert. So in der Kategorie «Choreografen» mit Wayne McGregor für «Infra» (Royal Ballet London) und José Martinez für «Les Enfants du...

Fumiko Ikeda, Tim Etchells: «in pieces»

Vorstellen muss man sie nicht mehr: Fumiyo Ikeda kennt, wer Rosas kennt. Die Japanerin war fast von Anfang an ein starker Aktivposten in Anne Teresa De Keersmaekers Kompanie. 2007 tat sie sich mit Benjamin Verdonck und Alain Platel zu einem eigenen Stück zusammen, in dem sie und Verdonck die furchtbaren Erlebnisse von afrikanischen Kindersoldaten verkörperten....