freiheit wagen!
So innovativ das Genre Tanz sich ästhetisch zeigt, so hartnäckig halten sich in seinem Kontext veraltete Strukturen, Hierarchien und Vorurteile. Das hat etwas mit Politik zu tun, aber nicht ausschließlich. Bevor ich die Organisationsform in den Blick nehme, die Ballett- und Tanztheaterkompanien – und beide sind gemeint, auch wenn im Folgenden von «Ballett» die Rede ist – allzu oft in Unselbstständigkeit hält, und beschreibe, wie sich das verändern ließe, möchte ich eine persönliche Beobachtung schildern. Sie betrifft das Institutionelle genauso wie das Image des Tanzes.
Wider Demut und Dankbarkeit
Kürzlich gab es ein großes Interview mit jungen Tänzerinnen und Tänzern in einer überregionalen Tageszeitung – eine halbe Seite lang! Mit Fotos! Da denke ich erst mal: Wow, kommt ja nicht alle Tage vor! Was ich dann lese, lässt mir teilweise den Atem stocken. Besonders der Schlusssatz hat es in sich: Sie habe in der Arbeit mit ihrem Lehrer vor allem Demut und Dankbarkeit gelernt, bekennt eine der Tänzerinnen. Prima, Lektion geglückt, genau das haben Tänzer und Tänzerinnen seit 150 Jahren nicht nur gelernt, sondern zutiefst verinnerlicht! Soll das so weitergehen? Ich möchte nicht, dass ...
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Tanz Mai 2015
Rubrik: ideen: tanz und politik, Seite 64
von Bettina Wagner-Bergelt
Modena also, italienische Provinz. An einem Vorfrühlingsabend startet Sylvie Guillem hier ihre Abschiedstournee, geht das letzte Programm «Life in Progress» im Teatro Communale Pavarotti erstmals über die Bühne. Am Ende nimmt sie die Ovationen des Publikums entgegen – und alles ist wie immer: Ganz allein steht sie da, ein spontanes, mädchenhaftes Lächeln auf den...
leb wohl
fritz höver
war der Einzige, der auf das Video meiner ersten Choreografie – das ich 350-mal verschickt hatte – reagierte und mich einlud, etwas für den Abend «Junge Choreographen» der Noverre-Gesellschaft zu machen. Das war 2001. Ich bin damals direkt nach Stuttgart gezogen. Fritz Höver hat mich am Bühneneingang des Opernhauses abgeholt. Wir haben...
Schneewittchen ist ein nettes Mädchen. Sie umhegt ihren Vater im Rollstuhl. Sie ist auch ein bisschen dumm, kriegt aber am Ende einen hübschen Burschen ab. Interessanter ist natürlich die Bösewichtin des Stücks, die Stiefmutter. Launisch, kreativ, Chefin einer Model- und Modeagentur. Sie schult Nachwuchs, der sie nie toppen wird, denn sie ist ja die Schönste im...
