Sie erinnern sich?
Sie haben den Herrn auf dem Cover schon einmal gesehen? Es ist George Balanchine, der Vater des modernen Balletts. Eine Legende, um die so viele Legenden ranken, dass man die Erinnerung an ihn bald nicht mehr von der Erfindung unterscheiden kann. Was haben Sie, liebe Leserin, lieber Leser, vor knapp zwei Jahren etwa um diese Zeit gemacht? Hielten Sie etwa ballet-tanz in der Hand und dachten, was macht der Hummer mit dem Balanchine? Dann haben Sie jetzt ein Déjà-vu, das keins ist. Sie halten eine Zeitschrift in der Hand, die es wagt, denselben Titel noch einmal zu drucken. Um Sie zu erinnern.
An was?
Keine Kunst ist flüchtiger als der Tanz. Ein Gemeinplatz. Keine Kunst muss so sehr dafür sorgen, sich an sich selbst zu erinnern, an die Tanzschritte, an die Choreografie. Alles ist so schnell vergessen. Darum scheint auch keine Geschichte jünger als die des Tanzes – weil er zwangsweise immer zeitgenössisch sein muss. Dabei tanzte der Mensch schon, da hatte er das Alphabet noch nicht erfunden.
Unzählige Ballette sind vergessen. Viele Rekonstruktionen funktionieren nicht, weil die Novität von einst heute wie ein alter Hut wirkt. Überschaubar bleibt die Zahl traumhafter Klassiker, bei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
She is neither young nor beautiful. But she has striking presence and is one of the most interesting dancers in Japan today. After getting to know post modern dance in New York in the 1980s, when she joined a group led by Nina Wiener, Mika Kurosawa set off in search of her own dance. Among her diverse efforts to find it since her return to Japan has been a...
«Erinnerungen, das sind nur Fragmente, die Assoziationen auslösen, einige Brocken, deren Lücken dann die Fantasie ausfüllt.» So spricht kein Neurologe, sondern ein Choreograf, der dann sagt: «Erinnerung bilden durch Wiederholung die dann entstehenden und gestärkten neurologischen Netzwerke, die in einem chaotischen Register nach Wichtigkeit geordnet sind.» Wie nur...
Der Kern der Tanzgeschichte, also der Tanz, ist abwesend. Sobald Tanz aus der Gegenwart fällt, ist er nur noch im Gedächtnis abrufbar, in der Körper-Erinnerung von Tänzern und Betrachtern, im Foto, in der Notation, im Video oder in der Kritik. Die Substanz des Tanzes, das Tanzen dagegen, ist nur präsent im Moment der Bewegung. Insofern ist der Gegenstand der...
