produktion des jahres
Eine verwirrend schöne, quirlige Choreografie, die zentrale Gegenwartsfragen umkreist: Wie viel individuelle Verantwortung, wie viel Solidarität braucht die Gesellschaft?
Der Maler Paul Klee liebte diesen Satz sehr: «Einen Spaziergang nehmen um seiner selbst willen, ohne Ziel». Für ihn war das nicht nur eine Metapher für sein eigenes Leben, ein Leben als Spaziergang. Diese Haltung galt ebenso für die Linienführung in seinen späten, hieroglyphenhaften Zeichnungen. Klees Stift spazierte über das Papier, der Maler staunte, welche Spuren er hinterließ.
Zielloses Gehen um des Gehens willen: Diese Haltung ist auch der jüngsten Arbeit der französischen Choreografin Maguy Marin eigen. Die 64-Jährige praktiziert hier wie schon in anderen Choreografien einen «Walking Walk», wie Klees Ausspruch verkürzt und ins Englische übersetzt lauten würde, um auf der Bühne eine Landschaft aus Ereignissen zu erzeugen, die keine Bedeutung behauptet. Marin fokussiert nicht das Auge des Betrachters und nötigt uns damit auch nie, etwas Drittes zu addieren oder gar eine Bedeutung, die so nicht wirklich gemeint ist.
«BiT» entstand 2014 an Marins neuem Wirkungsort, dem Théâtre Garonne in Toulouse, nachdem sie ...
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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: die saison 2014/15, Seite 127
von Tiago Bartolomeu Costa
ist Teil des tänzerischen Kraftzentrums bei Bodytalk und seit 2014 auch als eigenständige Choreografin unterwegs. Mit ihrer Produktion «Neurosen und Altlasten: Psychotanz mit Ich, Mir und Mich» schuf sie zusammen mit den Tänzern Johanna Roggan, Jan Werge und Tim Gerhards ein Psychogramm des alltäglichen Wahnsinns: Inseln der Glückseligkeit, belegt mit Rollrasen und...
Noé Soulier, Sie gelten als junger Überflieger, lernten zuerst Ballett, gingen dann an die Ausbildungsschule P.A.R.T.S. nach Brüssel und studierten gleichzeitig Philosophie. Warum interessieren Sie sich für Ballett? Im Ballett wird Emotion von Bewegungen ausgelöst, hinter denen eine Technik steht, die Teil einer Systematik ist. Es scheint mir interessant zu sein,...
Für «Insideout», ein Raum-Tanz-Projekt von Sasha Waltz, bei dem die Performer sich selbst inszenierten, erfand Laurie Young eine grandiose Mikroszene: Sie drehte den Kopf zu einem unsichtbaren Gesprächspartner und antwortete: «No, I am Canadian». Indem sie die Frage wegließ («Are you Chinese?»), erschuf sie mit einem Satz, einer Geste einen kompletten Alltagskosmos...
