brüssel on tour

marlene monteiro freitas «de marfim e carne – as estátuas também sofrem»

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Sie ist die ungekrönte Königin der Grimassenkultur. Marlene Monteiro Freitas, aus ihrer kapverdischen Heimat nach Lissabon gelangt, stellt alle Begriffe von Ästhetik auf den Prüfstand. Sie hält es mit Performance, Clown und Karneval, mit Punk und Martialischem. Schon ihr irrwitziges Solo «Guintche» setzte ein Ausrufezeichen, wie man es in der Tanzlandschaft kaum noch für möglich hielt. In «Paraíso, colecção privada» ging es, ihrem Temperament entsprechend, recht dämonisch zu.

Den deutschen Performer Andreas Merk nimmt sie jetzt mit in die eher kühle Hölle von «De marfim e carne – as estátuas também sofrem».

Können Statuen leiden? Wenn ja, dann geht es wohl schon beim Erschaffenwerden heftig los, denn die Performance beginnt mit Hammerschlägen, musikalisch umgesetzt von drei Musikern. Die haben hier praktisch alles im Griff und tragen genau die gleichen blau-schwarz schillernden, rätselhaften Anzüge wie die vier Tänzer. So bilden sie eine Bruderschaft unbestimmter Art, sind gleichzeitig Handwerker, Arbeiter, Karatesportler oder eine Sekte. Ihre grotesken Ganzkörpergrimassen wirken burlesk bis beängstigend. Wer quält wen? Wie wir Tiere zu betrachten haben, hängt vor allem davon ab, ...

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Tanz Mai 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 46
von Thomas Hahn

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