claire cunningham
«Wahrnehmung ist etwas, was wir tun», erklärt der Philosoph Alva Noë. Denn «Wahrnehmung hängt von unseren Fähigkeiten ab, zu agieren und zu denken». So steht es auch in seinem Buch «Action in Perception», und entsprechende Gedanken hat er als philosophischer Berater in «The Way You Look (at Me) Tonight» eingebracht, das im September uraufgeführte, als «soziale Skulptur» bezeichnete Stück von Jess Curtis und Claire Cunningham. Was die beiden da neunzig Minuten lang tun, kann der Betrachter nicht auf Anhieb entschlüsseln.
Unbekannten Regeln folgend, gehen sie durch das Publikum und fragen sich selbst und gegenseitig, en passant und lässig, wer sie sind, was sie machen, und wie die Rezeption – die eigene und diejenige des Gegenübers – definiert und beeinflusst werden kann. Jeder soll auf seine Weise Zugang haben und wahrnehmen können. Auch das Publikum wird animiert zu beobachten, was die Performer entwickeln, was auf den von Yoann Trellu bestückten Videoscreens zu sehen ist, was der Komponist Matthias Herrmann arrangiert hat. Jeder Einzelne muss selbst entscheiden, welches Medium den eigenen Wahrnehmungsmöglichkeiten am bes-ten entspricht. Sind die Bewegungen der Darsteller ...
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Tanz November 2016
Rubrik: Menschen, Seite 24
von Gustavo Fijalkow
Ein paar Stiefel stehen auf der Bühne, mutterseelenallein im offenen Raum. Bis ein Mann hereinkommt, barfüßig. Langsam gleitet das weiße Tuch, das er auf den Armen trägt, zu Boden. Als müsse es unsichtbare Leichen bedecken oder einen Altar. Etwas Scheues, zugleich verhalten Kampfeslustiges geht von dem Mann aus, als er in die schwarzen Schuhe steigt und anfängt,...
Das viele gute Porzellan. Wie es am Ende summt und klingelt, vibriert und hüpft, dann springt und zu Bruch geht. Bei Grace Ellen Barkey, in «For-ever», geht das Geschirr in Scherben – bevor ein Traum aus blühenden Orchideen über die gesamte Bühne gleitet und Hoffnung verbreitet.
Herrlich passt das jüngste Stück der Mitgründerin der Needcompany, uraufgeführt beim...
Es beginnt, als alles fast schon vorbei ist. Blitzlichtgewitter, hektisches Rufen, aufgeregte Menschen neben einer kleinen Gestalt in riesigen weißen Stoffmassen auf einer Bahre, eine Sauerstoffmaske auf dem Gesicht, Infusionsbeutel über sich. Eine Vorstellung in der Pariser Oper endet mit dem Zusammenbruch der Tänzerin. Ihre Augen sind blutunterlaufen. Was ist...
