Zwischen den Fronten
Schlimmer hätte es für ihn nicht kommen können: Von den Nazis als «entartet» gebrandmarkt, von den Stalinisten als zu «formalistisch» eingestuft, durfte der 1893 geborene tschechische Komponist Alois Hába erst kurz vor seinem Tod erleben, dass seine vierteltönigen Experimente von der Nachkriegsavantgarde aufgegriffen wurden. Diesen historischen Umständen ist es auch geschuldet, dass Hábas zweite, 1936 vollendete Oper «Nová zemĕ» erst im Dezember 2014 am Prager Nationaltheater zur Uraufführung gelangte.
Dabei hatte der Komponist das Stück aus politischer Rücksicht ohnehin im herkömmlichen halbtönigen Tonsystem komponiert.
Doch birgt die Oper, in der das kollektivistisch organisierte Leben in einer ukrainisch-sowjetischen Kolchose geschildert wird, starken sozialen Tobak. Ferdinand Pujman, dessen Libretto auf der Erzählung «Novaja zemlja» von Fjodor Gladkow beruht, erzählt nämlich ungeschminkt, wie die Diskrepanz zwischen den immens hohen Produktionsvorgaben der Sowjets und den veralteten technischen Mitteln Ende der 1920er-Jahre zu einer derart katastrophalen Hungersnot geführt hatte, dass einigen völlig verarmten Bauern der Kolchose offenbar nichts anderes übrig blieb, als ihre ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Reinhard Kager
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