Zerschossene Träume

Blacher: Romeo und Julia Lyon / Théâtre de la Croix-Rousse

Opernwelt - Logo

Serge Dorny lehnt sich zurück und weist in die Ferne. In seinem gläsernen Büro hoch über Lyon räsoniert der Opernintendant über Interaktionen mit den Stadtteiltheatern oder dezentrale Kultur- und Bildungsprojekte, welche die drittgrößte französische Stadt und ihre sozialen Problemviertel so bitter nötig haben. «Für mich sind kulturelle Aktivitäten in diesen Gegenden kein Marketing, sondern wir stellen uns ganz grundsätzlich die Frage, wie Kultur an den Äußerungen einer Stadt teilhaben kann, etwa an der Allgemeinbildung der Jugendlichen.

Damit befragen wir die eigene Institution nach ihrer Relevanz.»

Auch das Viertel, das unmittelbar hinter dem pompösen Rathaus von Lyon den Hügel hinaufkriecht, war ein klassisches Arbeiterviertel mit hohem Migrantenanteil, in dem (westliche) Kultur eher misstrauisch beäugt wurde. Das hat sich geändert. Vor allem mit dem Théâtre de la Croix-Rousse, einem Bau aus den späten 1920er-Jahren, gibt es eine Zusammenarbeit in Sachen Musiktheater, mit dem der Direktor Jean Lacornerie als Regisseur eigene Erfahrungen hat. Wobei er diesmal auf ein Werk verfiel, das in Frankreich noch nie und in Deutschland nur selten gespielt wurde: Boris Blachers Kammeroper ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Michael Struck-Schloen

Weitere Beiträge
Editorial

Politisches Musiktheater – was heißt das heute? Mit welchen Mitteln müssten, sollten, könnten Komponisten und Interpreten arbeiten, um aufzurütteln, Geist und Sinne zu sensibilisieren für das wunde Wunder unserer Welt? Gewiss, Oper war schon immer politisch: Macht und Revolte, die Dialektik von Herr und Knecht, die Utopie eines erfüllten, von aller Not befreiten...

Warten am Fluss

Es war ein Triumph des entfesselten Theaters, dieser erste Teil der Doppeluraufführung zweier Einakter des bislang mehr als Dirigent denn als Komponist hervorgetretenen Johannes Harneit. Unablässig bewegten sich die Hubpodien, hievten Chormassen auf die Szene und entsorgten sie dann wieder im Untergrund.

Was Peter Konwitschny und sein Bühnen- und Kostümbildner...

Ohne Widerlager

Stanislaw Lem sah die vielen Bearbeitungen seines Sci-Fi-Romans «Solaris» von 1961 mit Skepsis. «Alles Interessante an meinem Roman bezog sich auf das Verhältnis der Menschen zu diesem Ozean als einer nicht-humanoiden Intelligenz – nicht auf irgendwelche zwischenmenschlichen Liebesgeschichten», bemerkte er 2001 zu Steven Soderberghs Verfilmung. Selbst Tarkowskis...