Warten am Fluss
Es war ein Triumph des entfesselten Theaters, dieser erste Teil der Doppeluraufführung zweier Einakter des bislang mehr als Dirigent denn als Komponist hervorgetretenen Johannes Harneit. Unablässig bewegten sich die Hubpodien, hievten Chormassen auf die Szene und entsorgten sie dann wieder im Untergrund.
Was Peter Konwitschny und sein Bühnen- und Kostümbildner Helmut Brade an atemraubend virtuosen Auftritten und plakativen Bildern vor den Augen der Zuschauer abrollen ließen, war nicht Theater als ästhetisierender Selbstzweck, aber auch nicht Theater mit dem politischen Holzhammer, wie Äußerungen im Vorfeld der Premiere befürchten ließen. Konwitschny, der mit gezügelter Fantasie streng den allerdings arg raunenden Andeutungen des collageartigen Librettos wie den Vorgaben der Partitur folgte, knüpfte vielmehr mit der Gratwanderung zwischen geschärfter Aktualität und spielerischer Überzeichnung an seine gemeinsam mit Harneit und Brade verantwortete Hannoveraner Inszenierung von Luigi Nonos Revolutionsoper «Al gran sole carico d’amore» an (siehe OW 7/2004).
Nono ist denn auch der Pate der beiden Einakter, der Tragödie «Abends am Fluss» und des Satyrspiels «Hochwasser», die Konwitschny ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2015
Rubrik: Politisches Musiktheater, Seite 22
von Uwe Schweikert
Als Donizettis «Don Pasquale» 1843 uraufgeführt wurde, kam dem Rezensenten der «Leipziger Illustrirten Zeitung» die äußerliche Handlung reichlich abgestanden vor. Der alte Geizhals Don Pasquale, der sich eine junge Frau angelt, um dann unter ihren Pantoffel gestellt zu werden, sei der «Schatten eines längst Abgestorbenen, den man vergessen hat zu beerdigen, und der...
Die Hoffnung, dass alles schon irgendwie gutgehen wird – in Annie Proulx’ Wyoming-short stories wird sie kunstvoll langsam, aber gnadenlos zermalmt. Vielleicht ist es das, was Charles Wuorinen bei der Veroperung von «Brokeback Mountain» (siehe OW 3/2014) mit seinen unwirschen Orchestertexturen einfangen wollte. Sie treffen den Nerv der zermürbenden Streitereien,...
Gefängnisszenen kennt die Oper seit ihren barocken Anfängen, während das Straflager – allen im Totalitarismus angesiedelten «Fidelio»-Inszenierungen zum Trotz – ein Phänomen und Symbol der Moderne ist: Menschen werden anonymisiert, gequält, getötet oder für ihr Leben traumatisiert. Umberto Giordanos «Siberia» ist dafür ein eher konventionelles, der Schlussakt von...
