Zerbinettas Erzählungen

Eigentlich hatte Sylvia Geszty Schauspielerin werden wollen. Doch ihre Ophelia beeindruckte weniger als der Vortrag von Martinis «Plaisir d’amour». Der Durchbruch gelang ihr als Koloratursoubrette – mit Partien von Mozart bis Verdi. Walter Felsenstein holte sie für die drei Frauenrollen in «Hoffmanns Erzählungen» an die Komische Oper. Einige Jahre bereiste sie die Welt, dann leitete ein unüberlegter Fachwechsel das Ende der Karriere ein. Doch wenn Sylvia Geszty zurückschaut, ist von Verbitterung nichts zu spüren. Am 28. Februar feiert die Sopranistin ihren 75. Geburtstag.

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In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als es um die Nachfolge einer Rita Streich und einer Erika Köth ging und Edita Gruberova noch nicht angetreten war, erglänzte ein neuer, heller Stern am Himmel der Koloratursoprane: Sylvia Geszty war die Königin der Nacht, war die Zerbinetta und wurde in diesen und anderen Partien auf den Bühnen Europas herumgereicht, von den Elogen der Kritiker begleitet. Ein gutes Dutzend Jahre dauerte der nahezu konkurrenzlose Höhenflug, dann ergaben sich durch einen vorzeitig angestrebten Fachwechsel Probleme.

Routine und Opernalltag holten die Sängerin ein, Enttäuschungen waren vorprogrammiert. In ihrem gepflegten Heim in Hietzing, im 13. Wiener Bezirk, ist die aus Ungarn gebürtige Künstlerin, die am 28. Februar 75 wird, mit uns in ungewöhnlicher Offenheit die Stationen ihrer Karriere durchgegangen.
Ballett-Tänzerin wollte sie werden, die kleine Sylvia, später Pianistin, und in ihrem gutbürgerlichen, kulturell aufgeschlossenen Elternhaus in Budapest wurden solche Berufswünsche durchaus positiv zur Kenntnis genommen. Immerhin hatte auch die Mutter einst von einer Sängerinnen-Karriere geträumt. Nach den überstandenen Kriegsjahren und nach dem ...

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Opernwelt Februar 2009
Rubrik: Retrospektive, Seite 62
von Gerhart Asche

Vergriffen
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