Zeichengeberkunde

Ein neues «Handbuch Dirigenten» porträtiert 250 Musikerpersönlichkeiten, doch einige der Bedeutendsten fehlen

Opernwelt - Logo

Glitzerpianisten, Violinwunder, Vokalartisten hin oder her – im Klassikbetrieb steht der Dirigent an der Hierarchiespitze: qua Aura, Bandbreite und sozialer Sonderrolle. Er ist der solitäre Lenker, ihm müssen Musiker folgen, egal, ob er kühl-autoritär auftritt wie Lorin Maazel oder sich demokratisch gesinnt gibt wie Claudio Abbado. Seine gestisch zwar sichtbare, materiell trotzdem unsichtbar bleibende Leistung zu benennen, zu analysieren und einzuordnen, ist ebenso fesselnd wie herausfordernd.



Texte und Bücher über Dirigenten gibt es, seit der Beruf sich mit Musikerpersönlichkeiten wie Spohr, Habeneck, Mendelssohn, Berlioz, Wagner professionalisierte. Heute machen leicht zugängliche Ton- und Bildaufzeichnungen das Urteil von Kritik und Musikwissenschaft überprüfbar. Genau das ist der Ansatz für das «Handbuch Dirigenten» mit 250 kurzen Porträts. Der Leser wird eingeladen, die «eigenen Sach- und Werturteile» an den Artikeln zu messen – und die wiederum an den Tonzeugnissen. 16 Autoren sind neben den Herausgebern Julian Caskel und Hartmut Hein beteiligt, doch diese beiden schultern die Hauptlast: Caskel verantwortet 99 Artikel, davon acht als Ko-Autor, Hein 29, davon drei als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Götz Thieme

Weitere Beiträge
HEILIGNÜCHTERN: Arvo Pärts und Robert Wilsons «Adam's Passion»

Zwei Meister der Stille und der minimalistischen Reduktion haben in einer ehemaligen U-Boot-Fabrik in Tallinn zu einer Musiktheater-Produktion zusammengefunden (siehe OW 7/2015): der estnische Komponist Arvo Pärt und der amerikanische Theaterkünstler Robert Wilson, der vier Kompositionen Pärts – «Sequentia», «Adam’s Lament», «Tabula rasa» und «Miserere» – zu einer...

Verdi an der Met

Armer Shakespeare! Wie haben sie ihn misshandelt!», nörgelte Giuseppe Verdi, nachdem er die Partitur zu Ambroise Thomas’ «Hamlet» durchgesehen hatte. Freilich meinte er damit vor allem das Libretto. Er hatte eigentlich ja selbst vor, einen «Hamlet» zu komponieren. Oder «Romeo und Julia». Oder den «Sturm». Oder aber, und vor allem, sein Lieblingsschauspiel «Lear»....

Harte Bandagen

Gioachino Rossinis schnelle Koloraturen und jähe Sprünge verlangen agile, bewegliche Stimmen. Man könnte auch sagen: sportliche. Hat deshalb die Regisseurin Mariame Clément an der Opera Vlaanderen in Gent das «Armida»-Geschehen von den Toren Jerusalems zur Zeit der Kreuzritter in ein Sportstadion der Jetztzeit verlegt? Oder legte die Übermacht des männlichen...