Harte Bandagen

Rossini: Armida Gent / Opera Vlaanderen

Opernwelt - Logo

Gioachino Rossinis schnelle Koloraturen und jähe Sprünge verlangen agile, bewegliche Stimmen. Man könnte auch sagen: sportliche.

Hat deshalb die Regisseurin Mariame Clément an der Opera Vlaanderen in Gent das «Armida»-Geschehen von den Toren Jerusalems zur Zeit der Kreuzritter in ein Sportstadion der Jetztzeit verlegt? Oder legte die Übermacht des männlichen Personals die Idee nahe, die mittelalterliche Kriegerwelt in Profi-Sport zu übersetzen? Neben sechs (!) Tenören und dem Männerchor sieht die Partitur nur kurze Auftritte eines Frauenchors und eine einzige weibliche Solopartie vor.

Bühnenbildnerin Julia Hansen hat einen neutralen grauen Kasten auf die Bühne gebaut, auf dem Boden hat man Laufbahnen markiert, auf das Rückprospekt ein gigantisches Stadion gemalt. Goffredo, der Anführer der Kreuzritter, tritt als moderner Sportfunktionär auf und motiviert vom Rednerpult aus seine Mannen. Die aber stolpern verletzt und in mittelalterlicher Kreuzritterkluft herein, während Rinaldo wenigstens das Theaterblut erspart bleibt. Armida erscheint zunächst in orientalischem Gewand, darunter pellt sich ein mondänes pinkfarbenes Satinkleid hervor, die weiteren, häufigen Kostümwechsel sind dann ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Rückblicke

Ich bin nicht stolz», sagt Michail Jurowski am Ende seiner «Erinnerungen», die der Henschel Verlag anlässlich seines 70. Geburtstags am 25. Dezember herausgebracht hat. «Ich bin glücklich.» Dabei hat er es wahrlich nicht leicht gehabt in seinem Künstlerleben. Am eindrücklichsten bleiben jene Passagen in Erinnerung, in denen es um den Antisemitismus in der...

Blindes Schicksal

Deutscher Wald. Finstere Schlucht. Darin ein Jägersmann, der seine Braut bei einem Wettschießen gewinnen muss und sich mangels Treffsicherheit auf einen Deal mit dem Teufel Samiel einlässt, um einen Freischuss zu ergattern. Sünde, Sühne, Todesangst. Ein heilig-frommer Eremit, der das Böse bannt und die jungfräuliche Verlobte rettet. Dazu lange Sprechpassagen in...

Verdi an der Met

Armer Shakespeare! Wie haben sie ihn misshandelt!», nörgelte Giuseppe Verdi, nachdem er die Partitur zu Ambroise Thomas’ «Hamlet» durchgesehen hatte. Freilich meinte er damit vor allem das Libretto. Er hatte eigentlich ja selbst vor, einen «Hamlet» zu komponieren. Oder «Romeo und Julia». Oder den «Sturm». Oder aber, und vor allem, sein Lieblingsschauspiel «Lear»....