Wunder gibt es immer wieder
So wenig Held war Lohengrin selten. Ein unauffälliger, ältlicher Mann in dunkelgrauem Mantel, der unbeachtet auf seinem Reisekoffer mitten im Volk von Brabant herumsitzt. Nicht einmal ein Schwert hat er dabei – das muss er sich für seinen Kampf gegen Telramund mal eben bei einem konsternierten Edlen leihen.
Aber da ist ja Elsa, das somnambule Mädchen, das unverbrüchlich daran glaubt, dass dereinst ein strahlender Prinz kommen wird, um sie zu retten.
Und weil der Glaube bekanntlich Berge versetzt, sorgt er für das nötige Wunder und verwandelt den grauen Kofferträger in einen strahlend-weißen Hoffnungsträger.
Weil nun nicht nur Elsa glaubt, dass es immer wieder Wunder gibt, sondern auch das Volk, schickt es stante pede den bis dato allseits geschätzten, aber recht rüden Feldherrn Telramund in Acht und Bann und läuft mit fliegenden Fahnen zum neuen Star über. Schon wird es zeitweilig hell in der düsteren Provinz, und selbst die zerschlissenen Viebrock-Mustertapeten, mit denen Ausstatter Stefan Rieckhoff die bedrückend steilen Wände beklebt hat, sehen auf einmal viel weniger schmuddelig aus. Meterhohe Schwanenfedern dominieren das Ambiente, eine schöne Reminiszenz an das kleine ...
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