Work in progress
Gemessen an der historischen Bedeutung des Stoffes, komponierte Mozart seinen «Lucio Silla» glatt am Thema vorbei: Statt den heroischen (und nach wie vor außergewöhnlichen) Entschluss des römischen Diktators Lucius Sulla zu würdigen, die Macht zurück in die Hände des Volkes zu legen, interessierte sich der Sechzehnjährige hauptsächlich für diejenigen Personen des Librettos, die seinem eigenen pubertären Gefühlshaushalt offenbar am nächsten kamen: die leidende Giunia, den redlichen Cinna und vor allem den jungen Rebell Cecilio, dem er mit «Il tenero momento» und «Pupille am
ate» auch die beiden schönsten Arien des Werks auf den Leib schrieb. Dass der resignierende Usurpator, dessen charakterliche Wandlung eigentlich die größere musikalische Herausforderung gewesen wäre, in dieser letzten für Italien geschriebenen Mozart-Oper ziemlich hintenüberfällt, liegt allerdings auch in den Komplikationen begründet, die der Mailänder Uraufführung im Dezember 1772 voraufgingen: Weil der ursprünglich mit der Titelrolle betraute Tenor Arcangelo Cortoni krankheitshalber ausfiel und durch den mit begrenzten darstellerischen Kapazitäten ausgestatteten Bassano Morgnoni ersetzt werden musste, ...
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Das kommt vor und leider viel zu selten: dass man ein Stück, das man unzählige Male gehört hat und genau zu kennen glaubt, plötzlich wie zum ersten Mal und ganz neu erlebt. Mir ging es jetzt so mit einem Rundfunk-Mitschnitt des «Trovatore» aus der New Yorker Met von 1947, von dem ich mir allenfalls ein Stimmenfest erwartet hatte. Doch schon nach wenigen Minuten...
Mit ihrer mädchenhaften Ausstrahlung, ihrer unaufgesetzten Jugendlichkeit hat sie das Rollenbild von Mozarts Susanna ebenso geprägt wie das von Webers Ännchen. In Edith Mathis fanden diese beiden Partien ihre ideale Verkörperung, aber auch als Sophie im «Rosenkavalier», als Zdenka in «Arabella», als Pamina und nicht zuletzt als Cherubino war sie viele Jahre lang...
Kurz vor den Festtagen gab es eine große Eruption in und um Köln. Es sollen, so heißt es, Steine der Erleichterung gewesen sein, die die Kulturschaffenden der Stadt im Rhein versenkt haben. Die Kölner Oper hatte endlich einen neuen Intendanten beschert bekommen. Es ist – ein Kölner.
Was elegant im Ruckzuckverfahren erledigt werden sollte, entpuppte sich über...
