Wo Unaussprechliches geschieht

Brittens «The Turn of the Screw» entwickelt in Claus Guths Berliner Fassung einen dunklen Sog. Die Zürcher Produktion unter Constantin Trinks punktet vor allem musikalisch

Opernwelt - Logo

«Britten is ja schon ’n echt harter Stoff, wa?», kommentiert der Taxifahrer, als er vom Berliner Schiller Theater auf die Bismarckstraße biegt. «Na ja», hebe ich an, «eigentlich nicht. Im Vergleich zu dem, was andere musikalisch in den Fünfzigern ...»

Aber er hat nicht ganz unrecht.

Dem Freund aus England ist nach der Vorstellung beklommen zumute, weil das, was in «The Turn of the Screw» den Hintergrund bildet, in der Upper Class mitnichten Geschichte ist: das «Abschieben» von Kindern in Internate und zum Personal, weil die eigentlich Verantwortlichen mit «affairs, travel, friends, visits, always something» beschäftigt sind. Weil Missbrauchsfälle jeden Tag in der Zeitung stehen. Vor allem geht die Mischung aus Psychothriller und Gespenstergeschichte unter die Haut, weil hier, wie in Henry James’ Novelle, in allen Beziehungen eine unheilvolle Zweideutigkeit schwelt – was sie für Regisseure zu einem Fest und einer Herausforderung zugleich macht.

In Berlin ist der Landsitz Bly ein schwüler Schlund. Dunkelrote Wände, verschlossene Türen. Ein stickiges Foyer; ein Gang, der sich in Finsternis verliert; ein leerer Saal, durch dessen trübe Fenster milchiges Licht sickert. Christian ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Obstsalat

Es geht auch anders, doch so geht es auch»: Ans Freudenhaus denkt Macheath bei dieser Zeile in Brecht/Weills «Dreigroschenoper». Nicht, dass ein solches im Linzer «Siegfried» vorkommen würde. Doch versteht man das französische Wort bordel in seiner umgangssprachlichen Bedeutung als «Durcheinander», passt das Zitat durchaus zu Uwe Eric Laufenbergs Produktion. So,...

Wackelkontakt

Zwei sehr verschiedene Stücke hat man da in Episoden zerlegt und in der Werkstatt der Berliner Staatsoper zu einem Doppelabend verschränkt: Janáceks Liederzyklus «Tagebuch eines Verschollenen» und Poulencs Tragédie lyrique «La Voix humaine». In der kargen, aber enthusiastisch musizierten Klavierfassung (Leitung und Klavier: Günther Albers) geht das erstaunlich gut...

Kind geblieben

Herr Konwitschny, fühlen Sie sich eigentlich als Angehöriger einer aussterbenden Spezies, nachdem die Schauspielregisseure in der Oper überhandgenommen haben?
Überhaupt nicht. Ich fühle mich eher als einer der ganz wenigen, die sich noch ernsthaft um die Stücke bemühen. Und Gott sei Dank habe ich Schüler, die genauso denken. Die Schauspielregisseure haben ein...