Kind geblieben
Herr Konwitschny, fühlen Sie sich eigentlich als Angehöriger einer aussterbenden Spezies, nachdem die Schauspielregisseure in der Oper überhandgenommen haben?
Überhaupt nicht. Ich fühle mich eher als einer der ganz wenigen, die sich noch ernsthaft um die Stücke bemühen. Und Gott sei Dank habe ich Schüler, die genauso denken. Die Schauspielregisseure haben ein Problem: Sie machen meistens die Rechnung ohne den Wirt. Die Musik kommt ja nicht dazu, von ihr geht vielmehr alles aus. Da sind viele vollkommen hilflos.
Heutzutage ist es ja außerdem so: Wenn man die ethischen Botschaften eines Stücks zu deutlich inszeniert, reagieren die Leute verschnupft.
Wie kann das sein? Die Operngänger müssten doch längst konditioniert sein auf eine zeitgemäße Stückbefragung ...
Na ja, dieses Publikum stirbt aus. Jetzt sitzen da diese EventJünger, VIP-Personen ohne richtiges Hintergrundwissen. Boris Becker finde ich toll, doch so einer ist früher meines Wissens nicht in die Oper gegangen. Auch Angela Merkel geht seit Längerem nach Bayreuth und fand kürzlich Wolf Biermann ganz nett. Vielleicht würde sie mich mittlerweile auch umarmen ... Wobei ich zugebe, dass man nicht alle über einen Kamm scheren darf.
Ge ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Interview, Seite 30
von Markus Thiel
Sterbehilfe am laufenden Band: Müde Menschen stehen Schlange beim industriellen Töten auf Verlangen. Hilfskräfte stülpen ihnen milchblaue Kittel über. Dann gibt es einen elektrischen Schlag, sie fallen auf einen Haufen. Dieser Schlachthof in Rom ist eine Goldgrube, die Nachfrage größer als das Angebot. Unter den Wolken muss die Müdigkeit grenzenlos sein. Die...
Wer alles auf eine Karte setzt, handelt meist aus purer Verzweiflung. Dass die Sache mit dem Trumpf, der mit einem Stich alle Probleme löst, meist schiefgeht, ist keine grundstürzend neue Erkenntnis. Und doch scheint die Hoffnung auf den einen großen Befreiungsschlag unwiderstehlich. Sie gedeiht besonders gut, wenn einem die Schwierigkeiten über den Kopf zu wachsen...
Die Kuppel über der Bühne in der Londoner Wigmore Hall, dem inoffiziellen Mekka des Liedgesangs, ziert eine sympathisch kunstgewerbliche Allegorie der Künste, wobei die zentrale Figur die Seele der Musik symbolisiert und der Feuerball über ihr den Genius der Harmonie versinnbildlicht. Das Bild hat sich bei vielen Besuchen so selbstverständlich in die Erinnerung...
