Wo man singt, da lass dich ruhig nieder
War im 19. Jahrhundert das Kunstlied noch eine jener musikalischen Gattungen, der sich nahezu alle Komponisten mit stetem Eifer und großer Resonanz widmeten, kam es in den 1920er-Jahren zusehends aus der Mode. Der radikale gesellschaftliche Wandel, das Verschwinden des bürgerlichen Salons wie auch der Aufbruch in neue stilistische Sphären jenseits der Romantik entzogen ihm rasch jenen Humus, auf dem es für knapp ein Jahrhundert üppig gediehen war. Mit der neu erfundenen Schallplatte, dann auch im öffentlichen Liederabend erfolgte der Rückzug auf ein Kernrepertoire.
Doch auch dieses ist heute, abermals knapp 100 Jahre später – trotz herausragender Interpreten und zahlreicher Hoffnungsträger – außerhalb von Festivals beinahe zur Rarität geworden. Gründe und Folgen gehen dabei Hand in Hand: So dürfte es wohl weniger das mangelnde Interesse des Publikums sein, als vielmehr das verloren gegangene Verständnis für all die dichterischen Subtexte und musikalischen Zwischentöne, die den unendlich anmutenden Lied-Kosmos vielen so fern erscheinen lässt.
Insofern darf man von einer mutigen Tat sprechen, wenn sich der Heidelberger Frühling als ein programmatisch ohnehin abwechslungsreiches, nie ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Michael Kube
Mit seinen 27 überlieferten Partituren ist der Venezianer Francesco Cavalli der Operngroßmeister zwischen Monteverdi und Alessandro Scarlatti. Richtig heimisch geworden auf der modernen Bühne ist er seit seiner Wiederentdeckung in den 1960er-Jahren dennoch nicht. Dabei erweist jede Begegnung mit einer seiner Opern, dass sie hinter dem «Ulisse» und der «Poppea»...
Als der Krebs ihn immer heftiger beherrschte, schrieb Claude Debussy: «Ich war dabei – oder fast dabei – ‹La Chute de la Maison Usher› zu vollenden: Die Krankheit hat meine Hoffnung ausgelöscht […] Ich finde mich schwer mit dieser Wendung meines Schicksals ab.» Auf der anderen Seite meinte er aber auch, diese Oper sei nur eine «Neuauflage des ‹Pelléas›» – mit einer...
Die Trümmer der nächtlichen Prügelei liegen noch auf der Festwiese herum und müssen von den arg blessierten Meistern erst diskret beiseitegeräumt werden, bevor der Sängerwettstreit beginnen kann. Alle sind damit beschäftigt, die Verbände, die Pflaster und blaue Flecken zu verbergen – bis sie merken, dass die Kollegen so ramponiert sind wie sie selbst. Und wieder...
