Wiederaufnahme nach 272 Jahren
Wer hätte je gedacht, dass man noch eine neue Vivaldi-Oper finden würde? 1999 wurde in Kiew die Bibliothek der Berliner Musik-Akademie entdeckt. Die Russen hatten diesen musikalischen Schatz von mehr als fünftausend Gegenständen nach dem Zweiten Weltkrieg mitgenommen. Der junge Musikwissenschaftler Steffen Voss spürte in dieser Sammlung die Oper «Motezuma, dramma per musica in tre atti» (RV723) auf. Das Libretto war schon länger bekannt, die Partitur aber galt als verschollen.
Einige Teile fehlen leider nach wie vor: So bleiben der Anfang des ersten Akts sowie Anfang und Ende des dritten Akts verschollen.
Vivaldi komponierte dieses Werk 1733, in einer Zeit also, als seine Musik in Venedig immer mehr mit der neuen Opernschule von Neapel konkurrieren musste. «Motezuma» sollte der Geniestreich sein, mit dem er seine Kritiker für immer zum Schweigen bringen wollte. Die Uraufführung im Teatro di Sant’Angelo ist verbürgt, doch das Stück geriet bald in Vergessenheit – wie so viele italienische Opern des achtzehnten Jahrhunderts.
«Motezuma» basiert auf der historischen Figur Moctezuma, jenem mexikanischen König-Priester, der 1520 von dem spanischen Konquistador Hernán Cortés besiegt wurde. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auf der Grundlage einer privaten Sammlung historischer Gesangsaufnahmen hat Hänssler CLASSIC jetzt eine neue Reihe unter dem simplen, aber zutreffenden Titel «Living Voices» gestartet. Auf den ersten Blick erscheint die Auswahl der Sänger nicht besonders interessant, handelt es sich doch fast durchweg um die ganz großen Namen, die auf CD auch anderswo schon...
Harry Kupfer begann seine Karriere in Halle, Stralsund, Chemnitz und Weimar. 1971 debütierte er an der Berliner Staatsoper, wo seine Inszenierungen von «Otello», «Die Frau ohne Schatten», «Parsifal» und «Salome» für ihre genaue Personenregie und psychologische Tiefenschärfe gepriesen wurden. 1972 wurde er an die Staatsoper Dresden berufen. Innerhalb weniger...
Die Zeiten sind vorüber, in denen Asiens große Festivals reine Import-Betriebe für Klassik aus dem Westen waren. In Singapur ist diese Tendenz derzeit besonders deutlich zu besichtigen. Stolz ausgestattete Museen feiern die eigene Geschichte, multimedial aufgedonnerte Ausstellungen begeben sich auf die Suche nach der eigenen Identität, und auch das Singapore Arts...
