Wie sprechen vom Unfasslichen?
Was für ein Leben! Eine Kindheit und Jugend zwischen Paris, Berlin und Riga. Sorglos, arglos, weltoffen, der Zukunft zugewandt. Der frühe, unstillbare Bildungshunger des Mädchens, das drei «Mutter»-Sprachen beherrscht – Französisch, Deutsch und Russisch. Der großzügige Vater, ein Geistesmensch, der als Wirtschaftsanwalt viel Geld verdient. Die schöne Mutter, von prominenten Verehrern umschwärmt, glamouröse Muse für Künstler, Musiker, Schauspieler und Schriftsteller. Die halbe UFA (für die Vater Leopold u. a. arbeitet) geht bei den Levensteins ein und aus.
Damals in Charlottenburg, Ende der Zwanzigerjahre. Der braune Mob schwenkte in den großbürgerlichen Vierteln noch nicht so oft die Hakenkreuzfahnen, galt als grölendes Gespenst, das sich bald von selbst erledigen werde. Wie «ein spannendes Theaterstück» kamen der 1922 geborenen Valentina diese Jahre vor. Wehmütig erinnert sie sich an eine éducation sentimentale, die sich um die schönen Künste, vor allem Bücher und Filme drehte.
Was für eine Tragödie! Noch bevor Hitlers willige Helfer der Weimarer Republik den Todesstoß versetzen, wird Valentina zu den Großeltern nach Riga geschickt. Die Eltern folgen 1936, verlassen schweren ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Albrecht Thiemann
Knopf drücken, auf Grün warten und rüber zur Freitreppe. So einfach lässt sich derzeit das Augsburger Theater besuchen, ganz unbehelligt von Bauzäunen oder Baggern. Der Vorplatz ist frisch herausgeputzt. Doch was drinnen wartet, verfolgt die Verantwortlichen bis in Leserbriefspalten, Stadtratsdebatten und unruhige Träume. 235 Millionen Euro soll die Sanierung eines...
Der junge Mozart: unberechenbar, untrüglich, komisch, tiefgründig. Fast schon wie der spätere, in seinen kompositorischen Kniffen nur noch nicht so ausgereift. Die Buffa «La finta giardiniera» kam 2014 in Lille in einer Inszenierung von David Lescot auf die Bühne: stimmungsvoll, ohne überbordenden Gartenzauber, figurennah, kein bisschen besserwisserisch oder...
Alte Schule
Mit Ideen, Botschaften, Bildern ist im Theater niemand zu gewinnen, wenn das Handwerk nicht stimmt. Dieser Maxime ist Harry Kupfer immer treu geblieben. Keiner prägte die Komische Oper in seiner Geburtsstadt Berlin nach Felsenstein stärker als er. Und nach wie vor ist der Meisterregisseur produktiv. Nun wird er 80. Ein Gespräch
Ziemlich handfest
Franz...
