Wetterleuchten
Vor genau 100 Jahren eröffnete die Met ihre Spielzeit mit Camille Saint-Saëns’ «Samson et Dalila». Enrico Caruso und Louise Homer verkörperten seinerzeit die Titelpartien, am Pult stand Pierre Monteux. Mit der Reprise des Dreiakters unter Mark Elder gibt man zum aktuellen Saisonstart nun einem anderen Paar Gelegenheit zu einer Neuauflage seiner in «Carmen» (Met, 2009-2015) und «La navarraise» (Carnegie Hall, 2010) bereits erprobten Bühnenpartnerschaft: Roberto Alagna und Elīna Garanča.
Abermals hatte Met-Chef Peter Gelb mit Darko Tresnjak einen talentierten Broadway-Regisseur verpflichtet, und wieder ist eine recht unverbindliche Inszenierung dabei herausgekommen, die der Vorgängerproduktion (Elijah Moshinskys afrikanisch kolorierte Version von 1998) in punkto Dramatik und Flair nicht das Wasser reichen kann. Hier ereignet sich kein alttestamentarisches Gewitter mit Blitz und Donnerschall; allenfalls die kompetente Lichtregie von Donald Holder sorgt im zweiten Akt für elektrisierende Momente, für so etwas wie Wetterleuchten.
Roberto Alagna, der am Premierenabend als indisponiert angekündigt war und im dritten Akt eingebrochen sein soll, ging in der besuchten Vorstellung zunächst ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 51
von David Shengold
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