Wette mit dem Wettergott
Ob das so eine gute Idee war? Seit die Freiluftbühne der Schlossfestspiele Schwerin direkt aufs Schloss ausgerichtet ist, hat man zwar den Blick auf eine prächtige Architekturkulisse und den weiten See. Doch die Akteure wirken zwergenhaft. Ständig will das Auge über das Turm-und-Zinnen-Gebirge der Schloss-Silhouette schweifen.
Und dieser Versuchung erliegt es während Georg Rooterings Inszenierung von «La traviata» umso häufiger, als der Regisseur, der nach «Eugen Onegin» und «Nabucco» zum dritten Mal für das Sommerfestival des Staatstheaters arbeitet, nie über Konventionelles, Erwartbares hinausfindet. Laszive Rottöne beleuchten die Welt der Kurtisane. Ein breiter Rahmen fasst die Bühne ein, Stellwände schließen sie nach hinten ab. Manchmal öffnen sie sich, dann dominiert das Schloss das Panorama. Ein paar Sofas und Chaiselongues bilden das Mobiliar. Rootering verlässt sich im Wesentlichen auf seinen Ausstatter Romaine Fauchère, zumal auf die mit Hingabe entworfenen Kostüme, alle im Stil der Entstehungszeit der Oper, mittleres 19. Jahrhundert also. Viel Frack und Zylinder, Rüschen, Handschuhe, Federn, mehrlagige Röcke. Eine Opulenz, die eine empfindliche Schwäche der Produktion ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 100
von Udo Badelt
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