Wenn Bilder erzählen
Bevor der erste Ton des «Rheingold»-Vorspiels aus dem Orchestergraben heraufbrummt, gehört die Bühne des Weimarer Nationaltheaters den Kindern. Drei Mädchen in adrett karierten Sonntagskleidern haben Regisseur Michael Schulz und sein Dramaturg Wolfgang Willaschek den Beginn der Tetralogie anvertraut. Mit giftgrünen Drachen-Handpuppen erzählen sie sich die Geschichte, so wie sie Wagner in seinem ersten Entwurf 1848 festhielt – den Unschuldigen ist selbst diese vor Verrat und Habgier triefende Geschichte nur ein harmloses Märchen. Kinder sind sozusagen das Leitmotiv.
Jeden Abend eröffnen sie den Weimarer «Ring»: die im Geiste ihrer Väter gedrillten Zöglinge Wotans und Alberichs in der «Walküre», der sich selbst überlassene junge Siegfried, der sich zu den Klängen des Vorspiels mit seinem Sagenbuch auf dem Boden lümmelt, und schließlich die verwahrlosten Kids der «Götterdämmerung», die nur noch verständnislos den Vorträgen der Nornen-Omis lauschen. Die schöne Grundidee spiegelt den jeweiligen Zustand der «Ring»-Gesellschaft: Jedes System zeigt seinen Charakter eben doch am deutlichsten in seinen Kindern, und wenn sich am Ende die unterdrückten Frauen des Gibichungen-Volks von einem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
"Es ist für mich das Größte, die Musik von Bach zu spielen, an ihr zu arbeiten! Diese Musik zu durchschreiten, egal ob am Instrument oder Radio, gibt mir jedes Mal Kraft und Ruhe." Der Geiger Frank Peter Zimmermann (Foto) zählt - fern von Kommerz und Medienrummel - zu den Größten seiner Generation. In Film von Benedict Mirow und Dorothee Binding gewährt er...
Es muss sich alles ändern, und es muss gleichzeitig alles bleiben, wie es ist.» So Wulf Konold im Gespräch mit dieser Zeitschrift, als er Wolfgang Gönnenwein, den 32 Jahre amtierenden Intendanten der Ludwigsburger Schlossfestspiele ablöste. Beides gleichzeitig geht nicht, also blieb alles mehr oder weniger beim Alten. Weil Konold, bis 2008 in Personalunion auch...
Nun öffne sich der Himmel, und ihrem Sehnen erstrahle das Licht der Ewigkeit», schwärmt Hans Castorp, als er einer Grammophonplatte mit dem Finalduett aus Verdis «Aida» lauscht. Was Thomas Mann seinem «Zauberberg»-Lehrling vor 85 Jahren in den Mund legte, hat der britische Regie-Routinier Graham Vick auf der Bregenzer Seebühne nun wörtlich ins Bild gesetzt: In...
