Welche Wonne, welche Lust
Seltsam, dass an einem Opernabend derjenige am meisten fesselt, der gar nicht singt – seltsam, in Zürich für die Sänger allerdings keineswegs ehrenrührig. Ein großer Schauspieler ist es, der in Adrian Marthalers Inszenierung der «Entführung aus dem Serail» so sehr fasziniert – gleichsam der Bassa aller Bassas. Michael Maertens ist ein Liebender zwischen Zorneswallung und zärtlicher Hingerissenheit – einer, bei dem man nicht begreift, dass Konstanze sich nicht zu ihm bekennt.
Wenn er am Ende die abreisebereiten Paare aus dem Hintergrund beobachtet und dabei scheinbar nichts «macht»: welche Präsenz in jeder kleinen Geste, in jedem Blick – im bloßen Da-Sein!
Dabei müssen sich die Sänger mitnichten verstecken. Eva Mei ist trotz manchem etwas spröden Ansatz eine Meisterin sinnreicher, brillanter Koloratur und Mozarts vielfältigem Ausdrucksanspruch mehr als nur gewachsen. Rebeca Olvera ist ein wunderleichtes Blondchen, Michael Laurenz ein quellfrischer Pedrillo-Tenor, Alfred Muff, als Osmin kein Pluder-Muselmane, sondern in seiner Voreingenommenheit, seinem Fremdenhass ein armer Teufel im schwarzen Kittel (Kostüme: Florence von Gerkan), ein kellertiefer Bass. An der Spitze wieder einmal ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Heinz W. Koch
Orchesterwerke von Detlev Glanert sind im Vereinigten Königreich bereits mehrfach in hochkarätigen Konzerten zur Aufführung gelangt. Sieht man einmal von einer 2007 im Rahmen eines Workshops präsentierten Deutung seines Kammeropern-Triptychons «Drei Wasserspiele» im Londoner Almeida Theatre ab, so ist die erste Glanert-Oper, die nun den Weg auf eine britische...
Gut 1000 Luftlinienkilometer liegen dazwischen, und was die Aufführungstradition betrifft, da ist die Entfernung gleich gar nicht mehr abzuschätzen. Wagner, das ist für die Bayerische Staatsoper Alltagsgeschäft, für die Oper Sofia der Ausnahmefall. Auch wenn dort seit 2010 pro Saison ein «Ring»-Stück gestemmt wird, so gleicht doch jede dieser Produktionen einer...
Die Nachricht, dass Dieter von uns gegangen ist, erreichte mich letzte Woche in Schwetzingen, unmittelbar nach einer Probe mit Christine Schäfer und Axel Bauni für mein Stück «Nacht-Räume», das wir abends in einem Konzert aufgeführt haben. Ganz unter dem Eindruck dieser unfassbaren Endgültigkeit saßen wir am späten Abend noch eine Weile zusammen. Beide, Christine...
