Vom Winde verweht
Sie kamen von Nordosten, aus Jerusalem. Sie kamen zu Tausenden, bewehrt mit Schilden, Steinen, Waffen. Jeden, der die römischen Soldaten sah, die kurz zuvor, im Jahre 70, den Zweiten Tempel in der heiligen Stadt zerstört hatten, musste augenblicklich die Gewissheit ergreifen, dass sie den hoch aufragenden Masada-Felsen erobern wollten – um jeden Preis. Lange schon waren ihnen die jüdischen Rebellen, die dort oben ihr Dasein fristeten, umgeben von einer Palastanlage, die sich König Herodes im Schweiße vieler Angesichter hatte errichten lassen, ein Dorn im Auge.
So setzten sie alles daran, hinaufzukommen auf das hoch gelegene Plateau. Gut zwölf Monate dauerte die Belagerung durch die von Flavius Silva angeführte Zehnte Legion. Dann gelang es den Angreifern, die Festung über eine Rampe zu stürmen. Als die rund eintausend Verteidiger dessen gewahr wurden, entschieden sie sich – nachdem ihr Anführer eine bewegende letzte Rede gehalten hatte – zu einer martyrischen Tat. Kollektiv nahmen sie sich das Leben, um nicht in die Hände der heidnischen Imperatoren zu fallen.
So steht es geschrieben bei Flavius Josephus. Und so wird es überliefert, bis heute. Den Juden Israels gilt Masada deswegen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn ich mich an Mieczyslaw Weinberg erinnere, an seine Musik und seinen Einfluss auf meine Generation, so kann ich mich eines gewissen Schuldgefühls nicht erwehren. Natürlich hätte ich mich aktiver darum bemühen können, diesen großen und ungewöhnlichen Musiker öfter zu treffen, doch meine Schüchternheit hinderte mich daran. Eigentlich hatte ich nur eine einzige...
Erich Wolfgang Korngolds bekannteste Oper scheint untrennbar verbunden mit der morbiden Atmosphäre der Stadt Brügge, Schauplatz des Romans «Bruges-la-morte» von Georges Rodenbach, der dem Libretto zugrunde liegt. Da geht Regisseur Philipp Himmelmann schon ein gewisses Risiko ein, wenn er in seiner Produktion an der Opéra de Lorraine auf jegliches Lokalkolorit...
Der Name Christoph Schlingensief ist inzwischen untrennbar mit dem Attribut «Lungenkrebs» verbunden. Das ist kein Zufall, fördert er doch selbst nach Kräften die Aufhebung der Trennung von Kunst und Leben; die öffentliche Zurschaustellung und Verkunstung seiner Krankheit ist Teil einer Therapie. Davon konnte man sich zuletzt wieder in seinem Luigi-Nono-Verschnitt...
