Vom Doppelgesicht des Patriotismus
Das Erdbeben ereignete sich nicht nur in den Straßen von Paris, sondern auch auf den Opernbühnen. Die Französische Revolution hinterließ eben überall ihre Spuren.
Vielleicht am deutlichsten bei François-Joseph Gossec, nicht nur weil er während der Revolutionsjahre mit etlichen Ämtern und Pöstchen bekleidet wurde – er war Vorsitzender des Comité de lecture an der Opéra, anschließend Mitglied des Prüfungs-ausschusses für die dort aufzuführenden Werke, zudem Gründungsmitglied des Institut de France –, sondern auch weil sich seine musikalische Sprache den neuen Gegebenheiten anpasste. Seine pro-revolutionäre Begeisterung inspirierte ihn zu Hymnen, Chören, Märschen und anderen Stücken Militärmusik, die bei allen möglichen Gelegenheiten aufgeführt wurden. Daneben gelang es ihm, seinen eigenen, bereits über Jahre hinweg erprobten Opernstil mit dem Bekenntnis zur Revolution zu verbinden. So wurde «L’Offrance à la Liberté», eine Dramatisierung der «Marseillaise», zu einem großen Erfolg, ganz anders als «Le Triomphe de la République ou le Camp de Grand Pré». Das Werk, ein Jahr nach der «Offrance» im Januar 1793 uraufgeführt, bezieht sich auf den allgemeinen Enthusiasmus nach der Bekanntgabe des Sieges der Kellermann-Bataillone während der Kanonade von Valmy. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was die Trefferdichte von Open-Air-Festivals betrifft, so macht der Schweiz niemand was vor. Zwischen Einsiedeln und Frauenfeld, Brülisau und Willisau, Gossau und Appenzell bis nach Ebikon, Etziken, Hilterfingen, Schwanden und Lupfig häufen sich Musik-Festivals wie nirgendwo sonst. Das Wetter muss herrlich sein in der Schweiz. Kein Wunder also, dass auch auf dem...
Worte nützen gar nichts. Auch das verzückte Gesicht des jungen Dirigenten bleibt wirkungslos. Das Hauptthema im ersten Satz von Mendelssohns «schottischer» Symphonie kommt einfach nicht in Form. Es schaukelt unentschlossen zwischen den Taktstrichen. Kein Drive, kein Ziel, kein Ausdruck. Was tun? Die Blicke einiger Orchestermusiker richten sich verstohlen ins...
Da ist dem britischen Label Testament ein wirklicher Coup geglückt: die Weltpremiere einer mehr als fünfzig Jahre alten «Ring»-Produktion von den Bayreuther Festspielen, die damals von der Firma Decca in Stereoton aufgenommen, aber niemals veröffentlicht wurde. Die Gründe dafür werden im Booklet angesprochen und doch nicht restlos aufgeklärt. Tatsache ist, dass...
